Sie sind hier: Startseite Fakten Studien Natur braucht Geduld

Natur braucht Geduld

Naturheilmittel sind auf dem deutschen Arzneimittelmarkt weiter auf dem Vormarsch. In den vergangenen dreißig Jahren hat sowohl der Kreis der Verwender von Naturheilmitteln als auch die Verwendungsintensität deutlich zugenommen. Zu diesem Schluss kommt die Studie "Naturheilmittel 2002" des Institutes für Demoskopie Allensbach, die vom Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) vorgestellt wurde. Von Jutta Mutschler

1970 lag der Anteil der Naturheilmittelverwender in der Bevölkerung bei 52 Prozent, 1997 waren es 65 Prozent und 2002 zählten bereits 73 Prozent zu den Verwendern. Die Studie zeigt, dass das ursprünglich starke Alters- und Bildungsgefälle in den letzten Jahrzehnten immer mehr zurückgegangen ist. Waren es 1970 beispielsweise nur 47 Prozent der Arbeiter, aber 61 Prozent der Selbständigen und Freiberufler, die zu Naturheilmittel griffen, so lässt sich 2002 feststellen, dass inzwischen 67 Prozent der Arbeiter und 68 Prozent der Selbständigen Naturarzneien verwenden. Es besteht also kaum noch ein Unterschied zwischen den verschiedenen sozialen Schichten.

„Männer holen auf“

Dr. Rüdiger Schulz, Projektleiter beim Institut für Demoskopie Allensbach, verweist aber darauf, dass zwar immer noch mehr Frauen Naturheilmittel kaufen (1970 waren es 55 Prozent, 2002 dagegen 79 Prozent), aber die Männer diesbezüglich immer mehr aufholen würden (1970: 49 Prozent, 2002: 66 Prozent). Bei der Verwendung von Naturheilmitteln ließe sich allerdings immer noch eine leichte Diskrepanz zwischen alten und neuen Bundesländern feststellen, so Schulz. Während im Westen 73 Prozent der Bevölkerung Naturheilmittel verwenden, sind es im Osten nur 64 Prozent. Desweiteren kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass Naturheilmittel stark vom Trend hin zur Selbstmedikation profitieren. So haben 60 Prozent der befragten Na-turheilmittelverwender ihre in letzter Zeit eingenommenen Phytopharmaka selbst gekauft.
Die Frage warum sich immer mehr Menschen den Naturheilmitteln zuwenden, erklärt die Direktorin des Institutes für Demoskopie Allensbach, Prof. Dr. Elisabeth Noelle-Neumann, damit, dass viele Menschen ausgeprägte Furcht hätten vor unerwarteten und unerwünschten Nebenwirkungen bei chemisch-pharmazeutischen Arzneimitteln. Phytopharmaka hingegen würden einen starken Vertrauensbonus genießen, da die Be-völkerung bei Naturheilmitteln von weniger schädlichen Nebenwirkungen ausginge. Auf einer Skala von 0 („ganz gering“) bis 10 („sehr groß“) schätzt die Bevölkerung die Gefahr von Nebenwirkungen bei chemischen Arzneimittel bei 6,7 bei Naturheilmitteln nur bei 2,3 ein. Ihrer Ansicht nach bedürften Naturheilmittel allerdings auch besonderer Geduld und Ausdauer bei den Menschen, bis sich eine Wirkung manifestieren lasse und dies ginge nur mit einem Umdenken in unserer Gesellschaft einher.
Nach Ansicht von Dr. Bernd Eberwein, Geschäftsführer des BAH, bestätige die Allensbach-Studie die Politik, die der BAH in Bezug auf Naturheilmittel verfolge. Seit vielen Jahren setze sich der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller für eine umfassende Förderung pflanzlicher Arzneimittel ein. Leider hätten die Phytopharmaka in den vergangenen Jahren auf Grund der gesundheitspolitischen Maßnahmen stark gelitten, denn im Gegensatz zur Selbstmedikation sei die ärztliche Verordnung von Naturarzneien zweistellig zurückgegangen.

Appell an Politik

„Wir haben die Sorge, dass durch aktuelle Maßnahmen wie die geplante Positivliste (Liste erstattungsfähiger Arzneimittel) wie auch beim Langzeitprozess der Nachzulassung die Phytopharmaka überdurchschnittlich betroffen sind, weil der Stellenwert der Erfahrungsmedizin immer noch nicht hinreichend berücksichtigt wird.“, erklärt Eberwein. Die Studie beweise außerdem, dass die Hinwendung der Bevölkerung zu Naturheilmitteln nicht in einem Modetrend, sondern in einem langfristig angelegten tief verwurzelten Vertrauen in diese Produktgruppe begründet liege. Im Hinblick auf die Ergebnisse der Studie richtete Eberwein einen dringenden Appell an die Politik, den qualitätsgesicherten Naturheilmitteln jenen Stellenwert zu geben, der von der Bevölkerung gefordert werde.

Mai 2002, Nr. 5

Artikelaktionen
Editorial

Editorial_Peter_Stegmaier.jpg

Editorial 05/2012

Werbers Weihnachten

Specials

Aktuelle Specials:

Termine
Professionelle Pharma-Assistenz 23.05.2012 - 24.05.2012 — Köln
Der Medical Science Liaison Manager (MSL) 24.05.2012 09:00 - 17:00 — Stuttgart
Verhandlung & Vertragsgestaltung mit Krankenkassen 05.06.2012 - 06.06.2012 — Hamburg
Grundlagenseminar Pharmakovigilanz 11.06.2012 - 12.06.2012 — Frankfurt/Main
Compliance-Workshop: Compliance in der Medizinprodukteindustrie 12.06.2012 09:00 - 17:00 — Stuttgart
Kommende Termine…
Tag Cloud
Jetzt erhältlich

 

Patientencoaching Band 1.jpg

Patientencoaching Band 1
Grundlagen, Praxis