Sinnvoll oder überflüssig?
Grundsätzlich ist bei den Ergebnissen zur Internetnutzung durch die APIs zu berücksichtigen, dass sich die Internet-Angebote — im Gegensatz zu den meisten Zeitschriften in der API-Studie — nicht ausschließlich an niedergelassene Allgemeinmediziner und Internisten richten, sondern an eine größere Zielgruppe, beispielsweise auch an andere Facharztgruppen und in Krankenhäusern tätige Ärzte.
Außerdem ist zu beachten, dass die Ergebnisse zum Internet-Nutzungsverhalten anders zu bewerten sind als die Reichweitenwerte der Zeitschriften, denn die Internetnutzung setzt eine Eigenaktivität der Ärzte voraus, denn eine Website muss gezielt aufgerufen werden. Gleiches gilt für die Newsletter; auch hier muss der Arzt zunächst die entsprechende Website besuchen, dann den Newsletter aktiv anfordern und schließlich, nachdem er den Newsletter erhalten hat, entscheiden, ob er diesen nutzen möchte oder nicht.
Beim Vergleich der Nutzungswerte muss desweiteren berücksichtigt werden, dass es bei Internet-Angeboten unterschiedliche Zugangsmöglichkeiten — offen, geschlossen oder nur gegen Entgelt offen — gibt.
Unter den Informationsquellen, die die APIs nutzen, befindet sich das Web im Mittelfeld, am häufigsten wurden Fachzeitschriften (95,7 %), Tagungen, Kongresse und Vorträge (83,6 %) und der Pharmareferent (72,5 %) genannt. Das Internet und Online-Dienste werden von knapp der Hälfte der befragten Ärzte (47,3 %) genutzt.
Erwartungsgemäß nimmt die Affinität zum Medium Internet mit steigendem Alter der Ärzte deutlich ab: Während etwas mehr als die Hälfte der unter 50-Jährigen das Internet nutzen, sind dies bei den Ärzten ab 60 Jahren nur rund 40 Prozent. Unterschiede bei der Internet-Nutzung gibt es auch zwischen den westlichen und östlichen Bundesländern (48,6 vs. 41,8 %) — ostdeutsche Ärzte nutzen dafür stärker Fachbücher, Aussendungen und das Gespräch unter Kollegen als ihre westlichen Kollegen — sowie zwischen kleineren Arztpraxen, die weniger als 1.000 Scheine pro Quartal abrechnen, und größeren Arztpraxen (43,7 vs. 49,8 %).
Vorrangig bedienen sich die Ärzte des Internets zu Recherchezwecken (87 %) und für die Kommunikation per E-Mail (86 %), aber auch um Fortbildungsangebote zu nutzen und für den Datenaustausch, beispielsweise mit ihnen zuarbeitenden Laboren. Einen relativ geringen Stellenwert hat (noch?) die Kommunikation mit den Patienten über das Internet, die nur von rund einem Viertel der Ärzte praktiziert wird. Entsprechend ist auch die Zahl der Internet-Angebote der Arztpraxen noch ausbaufähig, nur rund ein Fünftel der Befragten verfügt über eine eigene Praxis-Homepage.
Wenn es um den Zugang zu beruflichen Informationen geht, werden Internetseiten von Kammern, Kassenärztlichen Vereinigungen und Berufsverbänden am häufigsten besucht (83 %), gefolgt von medizinischen Fachportalen (80 %) und Datenbanken (78 %), die Internetseiten von medizinischen Fachzeitschriften bzw. Zeitungen folgen auf dem 4. Platz (73 %).
Unter den Internetangeboten, zu denen im Rahmen der, API-Studie Daten erhoben wurden, hat die Website aerzteblatt.de durch ein Plus von zwei Punkten auf nun 40 Prozent den Spitzenplatz erobert und gelbe-liste.de (37 %) auf den zweiten Platz verdrängt. Den stärksten Zuwachs konnte das kostenpflichtige Angebot medizin-online.de verzeichnen — plus 4 Prozentpunkte auf 36 %. Mit einer Steigerung von 60 auf 65 Prozent haben auch die „Sonstigen" kräftig zugelegt, was vor allem daran liegen dürfte, dass eine ganze Reihe von Websites nicht mehr in der API-Studie vertreten ist: doccheck.de, facharzt.de, hausarzt.de, journalmed.de und medknowledge.de (neu dabei ist lediglich eine Website: allgemeinarzt-online.de).
Gaby Guzek, Marketingleiterin der Ärztenachrichtendienst Verlagsgesellschaft (facharzt.de, hausarzt.de), hält die Befragung zum Online-Markt nicht mehr für „wirklich notwendig", durch Registrierungskontrollen, IVW-Ausweisungen und AdServer sei bereits Transsparenz hergestellt, „wie sie größer nicht sein kann". Folgerichtig hätten die LA-MED-Ergebnisse bislang in keinem einzigen ihrer Anzeigen-Verkaufsgespräche eine Rolle gespielt. „Wir können unsere Kunden mit unseren Daten überzeugen. Hinzu kommt, dass der deutsche Online-Markt — was die medizinischen Fachportale betrifft — so klein ist, dass sich jeder, der Online-Werbung schalten will, selbst rasch einen Marktüberblick verschaffen kann", so Guzek.
Dr. Frank Antwerpes, CEO der DocCheck AG und Betreiber des gleichnamigen Fachportals, stellt ebenfalls den Sinn des Themas „Internet-Nutzung" in der API-Studie in Frage: Gemessen an den heutigen Lesegewohnheiten seien die Online-Medien klar unterrepräsentiert, nur die Printmedien würden hinsichtlich einer Außenwirkung von der LA-MED-Studie profitieren. Und es sei „geradezu atavistisch", nur einmal im Jahr eine Erhebung durchzuführen. „Wir haben auf jeder Seite IVW-Zählpixel und damit nicht nur tagesaktuelle, sondern auch viel differenziertere Informationen. Im Vergleich dazu bildet die LA-MED allenfalls einen Trend ab." Für Antwerpes ist die Studie, was das Thema Internet angeht, ein „Auslaufmodell", man könne sogar von einer „Neandertaler-Veranstaltung" sprechen — „und was mit denen passiert ist, wissen wir ja".
Dem widerspricht Melina Koussouris, Marketing- und Vertriebsleiterin Medizin bei RBI (aerztlichepraxis.de): Die LA-MED-Studie sei die einzige etablierte Leseranalyse in diesem Markt und liefere verlässliche Daten, inwieweit die Leser von Printmedien auch die entsprechenden digitalen Medien nutzen. Angesichts tagesaktueller Messungen habe die Internet-Erhebung zwar keinen extrem hohen Stellenwert, aber „durchaus ihre Existenzberechtigung".
September 2008, Ausgabe Nr. 9




