Pharma-Argumente nutzen
Gegen negative Pauschal-Meinungen anzugehen sollte gerade im Wahljahr 2002 Kerninhalt der Öffentlichkeitsarbeit der Pharma-Branche werden. Das kann nicht nur den Verbänden überlassen werden. Argumente für eine Image-PR hat im Herbst vergangenen Jahres der Verband der Forschenden Arzneimittelhersteller (VFA) auf seinem traditionellen Fachpresseseminar aufgelistet. Die Bedeutung des Forschungsstandortes Deutschland oder die Fortschritte in der Pharmakologie — das könnten die Kerninhalte sein, frei nach dem Motto: Damit jeder weiß, wovon die Rede ist.
20 Prozent des Umsatzes für Forschung
Zum Thema Arzneimittelfortschritt listet Dr. Siegfried Throm, Geschäftsführer Forschung, Entwicklung, Innovation des VFA eine Fülle von Argumenten auf, die zwar nicht neu, aber dennoch wenig bekannt sind. Stichwort Forschungsaufwand: In Deutschland beschäftigen sich rund 14.600 Pharma-Mitarbeiter mit der Entwicklung neuer Medikamente. Die Branche wendet dafür zwischen 10 und 20 Prozent des Umsatzes auf. Pro Tag werden rund 17 Millionen DM ausgegeben. Das sind rund 6,2 Mrd. DM im Jahr. Hinzukommen nochmals etwa 700 Millionen von Arzneimittelherstellern, die nicht dem VfA angehören. Die Entwicklung eines neuen Präparates kostet durchschnittlich rund 880 Mill. DM. Diese Mittel kommen weder vom Staat noch von den Krankenkassen, sondern müssen im Wettbewerb erwirtschaftet werden.Kürzere Fortschritts-Intervalle
Der Forschungswettbewerb sorgt für eine enorme Beschleunigung des pharmakologischen Fortschritts. So existierte vor 20 Jahren noch kein Mittel gegen Magenbeschwerden mit H2-Blockern oder Protonenpumpenhemmern. Als Mittel zur Auflösung von Blutgerinnseln standen lediglich Heparine, Cumarine, ASS sowie Streptokinase zur Verfügung. Moderne Thrompolytika mit geringeren Nebenwirkungen und besserer Effizienz waren unbekannt. Ähnliches gilt für die Behandlung von hohem Blutdruck oder die Behandlung von Krebserkrankungen.Eklatante Fortschritte berichtete Throm aus der Diabetes-Therapie. Die schlimmen Folgeerkrankungen wie Erblindung, Amputationen in Folge von Durchblutungsstörungen sowie die Dialyse können heute dank neuer Insulintherapien oder neuer oraler Antidiabetika vielfach vermieden oder wesentlich hinausgeschoben werden. Vergleichbare Erfolge liegen für die Behandlung des Dickdarmkrebses (bisher jährlich 30.000 Tote bei 55.000 Neubildungen) und des Brustkrebses (jährlich 46.000 Neuerkrankungen und 20.000 Todesfällen) vor. Bei Brustkrebs wird seit August 2000 mit einem gentechnisch hergestellten Präparat therapiert, das die Überlebenschancen um rund 40 Prozent erhöht. In der Behandlung von Hepatitis C wird heute in Verbindung von Langzeitinterferonen mit dem kurz vor der Zulassung stehenden Ribavirin bei 50 bis 70 Prozent der Patienten die Virusinfektion zurückgedrängt, also eine Heilung erreicht.
9/10 zum Glück des Menschen
Die Liste der Argumente für mehr Gesundheit ließe sich fortsetzen. Und Gesundheit“ ist begehrter Lesestoff. Denn sie trägt nach Schopenhauer zu exakt 9/10 zum Glück des Menschen bei.
Februar 2002, Nr. 2




