Ein neues Medium
Woran liegt es, dass Wissenschaft und Pharma-Industrie sich nur sehr zögerlich mit dem Gedanken der Versorgungsforschung anfreunden? Zum einen sicher am typisch Deutschen: Versorgungsforschung ist nun einmal interdisziplinär — mithin fluktuiert sie sozusagen fast mutwillig vor jedwedem Einordnungsversuch. Zum anderen — das ist wohl das Fatalere — könnte man zum Schluss kommen, dass eigentlich keinem der viel beschworenen „Partner" im Gesundheitswesen groß daran gelegen ist, seinen höchst persönlichen Return-On-Invest für das System zu hinterfragen. Also im Prinzip mit einer Kosten-Nutzen-Analyse genau das zu tun, was man dem Arzneimittel seitens der Politik oktroyieren möchte — was ja auch gar nicht so falsch ist (wenn es wiederum seitens des IQWiG richtig gemacht würde).
Diese Input-Output-Troughput-Betrachtungen sind jedoch nicht nur für Arzneimittel, sondern für alle Leistungserbringer wie auch für alle Leistungträger zu erbringen. Genau das wird die Conditio sine qua non eines auch noch in fünf oder gar zehn Jahren finanzierbaren Gesundheitssystems in Deutschland sein. Auch wenn die Erkenntnisse — und das werden sie zum Teil gewiss sein — erst einmal recht unbequem ausfallen. Dieser Ansatz braucht vor allem — so Sawicki — drei Dinge: Versorgungsforschung muss — ad 1 — viel besser in schon bestehende Fachbereiche integriert werden. Zum zweiten muss sie entsprechend finanziert sein. Und drittens benötige sie eine „höhere Publikationsleistung und damit eine bessere Darstellung im medialen und öffentlichen Raum". Dies sagt IQWiG-Chef Sawicki in der neuen Fachzeitschrift „Monitor Versorgungsforschung" (MVF), die von Prof. Dr. Reinhold Roski herausgegeben und ab April im gleichen Verlag erscheint, in dem seit nunmehr acht Jahren auch „Pharma Relations" publiziert wird.
Dies mit der Hoffnung, dass dieser Invest allen Beteiligten jenes mediale Podium verschafft, das sie so dringend benötigen, um das, was ihre Angebote und Konzepte, vor allem aber auch ihre Produkte und Marken leisten, in einem gesellschaftlich akzeptierten Kontext reliabel und so weit wie möglich evidenzbasiert darstellen zu können. Denn dass z.B. Arzneimittel dies tun, bezweifelt zumindest seitens der Verordner niemand: Der Schlüsseltreiber der Arzneimittelausgaben ist — wie Prof. Dr. Bertram Häussler in seinem wissenschaftlichen Beitrag ab Seite 24 in MVF betont — eben genau jener durch Verordnungen ausgelöste Verbrauch! Und eben nicht — wie so oft nachsalbadert — eine Strukturkomponente oder die vom AVR so leichtfüßig bemühte „Verschiebung zu anderen, teureren Präparaten".
Nur: Genau solches gilt es eben zu beweisen! Und obendrein exakt so zu belegen, dass kein grundlegendes Grundmissverständnis mehr zwischen jener Wissenschaft besteht, die die hehre Forschung und (eingeschränkt) auch das IQWiG anlegt, und jener, wie sie die Pharmaindustrie seit jeher — eher getrieben von Marketing- und Absatzdenken — versteht.
Es muss und es wird einen zukunftsorientierten Zwischenweg geben (müssen). Den finden Sie künftig in der unabhängigen und interdisziplinären Fachzeitschrift „Monitor Versorgungsforschung", die zunächst viermal pro Jahr entscheidungsrelevante Informationen präsentieren und zur Debatte stellen wird.
Ihr
Peter Stegmaier
April 2008, Ausgabe Nr. 4




