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Der bewegte Markt

Der internationale Pharmamarkt ist in Bewegung. Weltweit arbeiten die Unternehmen an ihren Strategien - es wird gekauft und kooperiert, fusioniert und akquiriert. Gerade japanische Firmen gelten als geeignete Übernahmekandidaten, weil sie zwar hohe Cash-Reserven, aber eine relativ niedrige Aktienbewertung haben. Dieser Gefahr ist man sich auch in Osaka, dem Sitz des Marktführers Takeda, bewusst. Von Wolfgang Dame

Takeda verfügt zwar über mehrere Blockbuster, die jeweils mehr als eine Milliarde US-Dollar Umsatz erzielt haben, doch geeignete Nachfolge-Präparate lassen noch auf sich warten. Daher arbeitet die Takeda-Führung vorrangig an der strategischen Ausrichtung für die nächsten Jahre. Das bedeutet zunächst: Konzentration auf das Kerngeschäft. Die Tiergesundheits-Sparte wurde an Schering Plough verkauft, die Agrochemie an Sumitomo Chemical und der Nahrungsmittelbereich an die Kirin Brauerei. Logische Konsequenz dieser Politik ist dann auch die Umfirmierung von Takeda Chemical Industries zu Takeda Pharmaceutical Company.

Zunehmende Konzentration

Die Lösung von den Randgeschäften und die Trennung von umsatzstarken, aber margenschwachen Beteiligungen haben Geld in die Kasse gespült und das Vertrauen der Aktionäre gestärkt. Beides wichtige Voraussetzungen, um sich der Konkurrenz auf dem japanischen und dem internationalen Markt erwehren zu können. Auf dem japanischen Markt setzt die Konkurrenz den Marktführer Takeda unter Druck. Die derzeitige Nummer 2 Yamanouchi fusionierte mit Fujisawa, würde aber noch überholt, wenn die vereinbarte Partnerschaft von Sankyo und Daiichi Pharmaceutical Realität wird.

Und auch nicht-japanische Konzerne drängen auf den zweitgrößten Pharmamarkt der Welt. Mittlerweile beschäftigen ausländische Unternehmen schon genauso viele Pharmareferenten in Japan (knapp 12.000) wie ihre einheimischen Konkurrenten. Und ab 2006 wird es nicht-japanischen Konzernen weiter erleichtert, in Japan Fuß zu fassen; dann sind grenzüberschreitende Fusionen auf Basis von Aktientauschprogrammen möglich.

Übernahmerisiko

Bei Takeda sind knapp 40 Prozent der Aktionäre Ausländer. „Uns ist das Risiko, von einem ausländischen Unternehmen übernommen zu werden, ständig bewusst", sagt denn auch Takedas President und Chief Operating Officer Yasuchika Hasegawa. Diesem Risiko will man begegnen, „indem wir den Wert unseres Unternehmens ständig steigern". Auch bei Takeda locken hohe Cash-Reserven bei relativ niedriger Aktienbewertung. Takedas Marktkapitalisierung liegt derzeit bei rund 30 Milliarden Euro (ein Fünftel des Wertes von Weltmarktführer Pfizer), was aber den Buchwert von Takeda um mehr als das Doppelte übersteigt. In der „Kriegskasse" hat Takeda nach eigenen Angaben zur Zeit 9,6 Milliarden Euro in baren oder leicht liquidierbaren Mitteln.

Um die eigene Position national wie international zu stärken, hat Takeda in der letzten Zeit eine ganze Reihe von Kooperationen, Joint Ventures und strategischen Allianzen vereinbart. Mit zwei kalifornischen und einem in Maryland ansässigen Unternehmen will Takeda in Hinblick auf verschiedenen Indikationen im Bereich F&E zusammenarbeiten, und auch zusammen mit der deutschen Evotec, Hamburg, an einem neuen Wirkstoff gegen Alzheimer forschen. Gemeinsam mit BioNumerik Pharmaceuticals, San Antonio, soll das momentan in Phase III befindliche „Tavocept", ein Medikament gegen Nebenwirkungen bei der Chemotherapie, in Nordamerika vermarktet werden.

Mit der Verlagerung und Ausweitung von F&E-Aktivitäten von Japan ins europäische und nordamerikanische Ausland liegt Takeda ganz im Trend. Während 1993 nur 18 Prozent aller klinischen Forschungsstudien im Ausland gestartet wurden, waren es 2002 schon 43 Prozent. Zwar sollen die Standorte in Tsukuba und Osaka auch weiterhin die Keimzelle der Takeda-Forschung bleiben, der Konzern hat jedoch schon frühzeitig auch mit der Stärkung seiner ausländischen Forschungsstandorte begonnen — das Takeda Global Research and Development Center (Lincolnshire/Illinois) und die Kooperation mit dem britischen Oxford Centre for Diabetes, Endocrinology and Metabolism (OCDEM) sind hierfür die wichtigsten Beispiele. Der Aufbau eines Forschungsschwerpunktes in Nordamerika entspricht ganz der Geschäftsentwicklung in dieser Region: Im Jahr 2004 erzielte Takeda gut 27 Prozent seines Gesamtumsatzes in den USA.

Umgekehrt haben die meisten internationalen Konzerne noch keine Präsenz in Japan erreicht, die ihrer Weltmarktstellung entspräche. Der Zukauf oder die Übernahme japanischer Unternehmen wäre für diese Konzerne wohl die sinnvollste Strategie, um auf dem japanischen Markt Fuß zu fassen. Für die japanische Pharmabranche, und natürlich gerade auch für den Marktführer Takeda, ist also erhöhte Vorsicht geboten.


April 2005, Ausgabe Nr. 4

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