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OTC in Osteuropa

Die Selbstmedikation gewinnt auch in osteuropäischen Ländern in der Arzneimittelversorgung an Bedeutung. Erstmals untersucht eine bevölkerungsrepräsentative Studie in den Ländern Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn die Einstellung der jeweiligen Bevölkerung zu OTC-Produkten. Von Christof Schumacher

Mit einem Anteil zwischen 8 und 23 Prozent für OTC-Präparate am Gesamtarzneimittelmarkt reichen die Verbrauchszahlen an deutsche Verhältnisse heran (Deutschland: 14 Prozent, Jahr 2001, Quelle: BAH). Das ist für die Pharma-Industrie allemal Anlass, diesen Markt auch werblich zu bearbeiten. Pharmacia International gab im vergangenen Jahr beispielsweise in Polen umgerechnet ca. 23,8 Mio. EUR für Arzneimittelwerbung aus. GlaxoSmithKline steht dem mit 23,2 Mio. EUR kaum nach. Bayer wendete im vergangenen Jahr in Polen immerhin rd. 4,6 Mio. EUR für Pharma-Werbung auf. 
In einer Gemeinschaftsbefragung haben die nationalen Gesellschaften von Taylor Nelson Sofres, dem viertgrößten Marktforschungsinstitut weltweit (in Deutschland gehört Emnid dazu), die Einstellung der Bevölkerung in diesen vier Ländern erforscht. Vor allem interessierte die Frage, woher sich die Käufer ihre Informationen besorgen. Der Koordinator der Gemeinschaftsaktion, der Ungar Csaba Atkari, sagte: „Die Besonderheit auf dem OTC-Markt der zentraleuropäischen Region könnte als der Kampf zwischen moderner internationaler Arzneimittelversorgung mit der traditionellen Medizin beschrieben werden.“                
Die Befragung zeigt in einem wichtigen Punkt einen sehr deutlichen Unterschied zu Deutschland: Tschechen, Ungarn, Slowaken und Polen vertrauen ihrem Apotheker mehr als ihrem Arzt, wenn es um die Beratung bei nicht-verschreibungspflichtigen Medikamenten geht. In der Slowakei geben gar 58 Prozent dem Apotheker den Vorzug gegenüber 45 Prozent dem Arzt. Lediglich die Ungarn verhalten sich ausgewogen. Praktisch jeder Dritte befragt sowohl den Apotheker als auch den Arzt. Augenfällig ist, dass die eigene Erfahrung und das Wissen über bestimmte Produkte von allen Befragten praktisch genauso wichtig eingestuft wird wie das Wissen des Apothekers bzw. des Arztes. Besonders ausgeprägt ist das bei den Tschechen. Sie verlassen sich zuerst auf ihre eigene Erfahrung, dann auf den Rat aus dem Freundeskreis, und erst dann kommen die Professionals. Während Werbung bei Slowaken, Ungarn und Tschechen nicht gut weg kommt, sehen das die Polen durchaus anders: Sie benennen zu 23 Prozent die Werbung in Zeitschriften und TV als ihre bevorzugte Informationsquelle. Keine große Vorliebe hat die Bevölkerung in den vier osteuropäischen Ländern für Leaflets über OTC-Produkte, obwohl sie diese durchaus gerne auch mal mit nach Hause nehmen. Die relativ schwache Rolle von Ärzten und Apothekern kontrastiert allerdings deutlich in Bezug auf die Vertrauenswürdigkeit. Hier geben alle Nationen den beiden Heilberufsgruppen sehr gute Werte, jedoch meistens doch noch übertroffen vom Vertrauen auf die eigene Erfahrung. Beratung durch Arzt oder Apotheker ist dann gefragt, wenn es um Schmerzmittel, um Medikamente gegen Erkältungen und Husten geht. Bei Vitaminen und Mineralpräparaten braucht man den fachlichen Rat dann schon deutlich weniger.
Atkari fasst zusammen: „Verstärkung eines Markenbewusstseins, Informationen für den Apotheker und im Hintergrund für den Allgemeinarzt mit verlässlichen Daten, das ist noch immer das beste Rezept für Produzenten.“

Polen
ca. 606,8 Mio. EUR OTC-Verkauf (2002),  + 5 Prozent gegenüber 2001, entspricht rund 23 Prozent des gesamten Arzneimittelmarktes (2,65 Mrd. EUR Herstellerabgabepreis). Wichtige Unternehmen:  Pharmacia, GlaxoSmithKline, Polpharma, Boots Healthcare, Roche Polska, Bayer, Lek Polska *

Slowakei
ca. 55,2 Mio. EUR OTC-Verkauf (2001), entspricht 12,6 Prozent des gesamten Arzneimittelmarktes. Tendenz: rückläufig, da freiverkäufliche Produkte ganz oder teilweise immer mehr von Krankenversicherungen übernommen werden.
Wichtige Unternehmen: Léciva, Slovakofarma, Union Chimique Belgium, Galena, Novartis, GlaxoSmithKline *

Ungarn
ca. 112,3 Mio. OTC-Verkauf (2000),
entspricht 12,8 Prozent des Arzneimittelmarktes (878,7 Mio. EUR), 1990: 8,2 Mio. EUR OTC-Absatz, 89,3 Mio. EUR gesamter Arzneimittelmarkt.
Wichtige Unternehmen: Bayer, Biogal-Teva Pharma, Egis, GlaxoSmithKline, Novartis, Richter, Sanofi-Synthelab *

Tschechien
ca. 119 Mio. EUR OTC-Verkauf (2002), entspricht rund 8,5 Prozent des Arzneimittelmarktes (1,4 Mrd. EUR in 2001, + 5 % gegenüber 2000). Wichtige Unternehmen: Léciva, Slovakofarma, Ivax Corp.,Megafyt, Pfizer, Boehringer Ingelheim **

Quellen:  * Taylor Nelson Sofres,
** eigene Recherchen und Tschechisches Gesundheitsministerium

März 2003, Nr. 3

 

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