"Pragmatische Lösung"
Dem Deal der forschenden Arzneimittelhersteller mit Kanzler Gerhard Schröder haftet ein „Geschmäckle“ an. Einerseits ist es ordnungspolitisch höchst problematisch, dass sich die Industrie mit ihrer Millionen-Spende gesetzgeberischem Druck entzieht, andererseits wurde damit aber eine negative Signalwirkung für die Preisbildung auf den ausländischen Märkten verhindert. „Unter allen schlechten Varianten war das Angebot der Industrie die am wenigsten schädliche“, kommentierte nüchtern der Vorsitzende der Geschäftsführung von Novartis Deutschland und Europachef der Gruppe, Silvio Gabriel, gegenüber „Pharma Relations“. Er war beim Kanzler-Gespräch dabei. Eine „pragmatische Lösung“, sagte Gabriel, die im Dialog als Ausweg aus einer schwierigen Situation gefunden wurde. Für VfA-Hauptgeschäftführerin Cornelia Yzer bewies damit die Industrie Verantwortung. Das war „ein riesiger Kraftakt, mit dem Schlimmeres verhütet wurde“. Die eigentliche „ordnungspolitische Sünde“ wollte aber der Gesetzgeber selbst begehen, so der Public Affairs-Chef von Merck-Darmstadt, Dr. Jürgen Knackmuß. Immerhin hätte der massive Markteingriff die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Pharmahersteller im internationalen Geschäft belastet. Sie ist schon jetzt angeknackst, sagt er und verweist auf eine Studie der Boston Consulting Gruppe, die Ende November anlässlich der VfA-Jahresversammlung vorgestellt wird. Den Preisabschlag zu verhindern ist daher ein beachtlicher Erfolg des VfA. Ob dabei allerdings Begehrlichkeiten des Auslandes zu verhindern werden, bleibt abzuwarten. Silvio Gabriel sieht diese Gefahr nicht. Die Systeme seien zu unterschiedlich, eine Adaption des deutschen Modells ist daher unwahrscheinlich und: „solche Deals finden mehr oder weniger schon statt“.
Dezember 2001, Nr. 3




