Gesundheit im Focus
Gesundheits-Sites gab es natürlich bei Focus-Online seit Start des onlinebasierten Mediums. Doch erst Ende 2002 erkannte der Verlag, wie stark die User inzwischen Gesundheitsinformationen nachfragten, was für Focus-Online-Chefredakteur Jürgen Marks nicht zuletzt auf die Auswirkungen der Gesundheitsreformen und dem immer stärkeren Wunsch nach mehr Transparenz zurückzuführen ist. Focus, seit Gründung mit diversen Ärzte- und Kliniklisten mit hoher medialer Kompetenz versehen, schaffte es schnell, sein Print-Image auf das Online-Medium zu übertragen. Seit einigen Jahren gehört Focus-Online zu den reichweitenstärksten redaktionellen Web-Angeboten. Regelmäßig klicken mehr als 2,4 Millionen Nutzer mit über 100 Millionen Page Impressions pro Monat die Site an: Damit greifen immerhin über neun Prozent aller Online-Nutzer Deutschlands auf die Sites von Focus zu. In elf redaktionellen Rubriken liefert das Online-Medium neben News unter anderem ein umfassendes Angebot mit nutzwertigen Auto-, Finanz-, Computer-, Berufs-, Entertainment- und Reise-Channels sowie mit den Gesundheits-Seiten. Auf diesen verzeichnete der Online-Arm von Focus schon 2003 zwischen 1,5 und 2 Millionen Page Impressions pro Monat. Einen Wert, den Chefredakteur Marks im August dieses Jahres bereits auf 6 Millionen (mit knapp 800.000 Visits) brachte und in den nächsten Monaten noch einmal auf über 8 Millionen steigern will.
Der User im absoluten Focus
Dafür soll zum einen natürlich jene redaktionelle Qualität sorgen, die ein User von Focus gewohnt ist, zum anderen nutzwertige Services und Angebote, die entweder gemeinsam mit der Industrie erwartet werden oder aber vom Muttertitel stammen - wie zum Beispiel die allseits bekannte, zuletzt im Jahr 2000 im Print-Focus erschienene Ärzte-Liste, die in den letzten Monaten von Focus-Online aufwändig aktualisiert wurde: User können mit dieser Liste in ihrer Region oder auch überregional Allgemein- und Fachärzte nach qualitativen Kriterien kostenpflichtig selektieren.
Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf kostenneutralen Services wie dem Gesundheitsmanager sowie diversen Gesundheits-Checks, die zur Interaktion mit dem Medium (oder auch den Sponsorpartnern) auffordern. In bisher 13 sogenannten Gesundheits-Journalen, die im Prinzip alle häufigen Indikationen und Volkskrankheiten beschreiben, werden Interessierte informiert und ans Thema geführt. Redaktionell, da lässt Marks nicht mit sich reden, hat Focus-Online absolut das Sagen und lässt sich von der Industrie auch nichts vorschreiben oder auch nur in die Feder diktieren. Doch das betrifft nur den sogenannten Mittel-Frame. Links und rechts: Diese Frames stehen den Wünschen der Pharma-Industrie, solange sie das Image des Mediums nicht beeinträchtigen, weit offen.
So wird zum Beispiel im Mittelbereich des Journals „Herz-Kreislauf" redaktionell absolut sauber über diese Indikation berichtet. In den äußeren Frames wird „powered by MSD" direkt auf die Sites der Pharmafirma unter der URl http://bluthochdruck.msd.de oder aber auf die MSD-nahe Hochdruck-Liga verlinkt, mit der auch eine großangelegte Direct-to-Consumer-Kampagne mit dem Promi-Testimonial Rosi Mittermeier gefahren wird. Ob generische Informationen oder harte Produktnews über moderne AII-Antagonisten oder die neue, von MSD entwickelte Substanzklasse der Angiotensin-II-Antagonisten sind zu finden. Ebenso Services zum Anfordern von Print-Informationsmaterialien. Das funktioniert so gut, dass die Pharmafirmen mit dem Verschicken der Broschüren oft gar nicht nachkommen. Was wiederum zeigt, dass Reichweite und Aktivierung nicht die Probleme von Focus-Online Gesundheit sind. Das Problem ist eher, die geeigneten Industriepartner zu finden, die in der Lage und Willens sind, sich mit einem großen und sicher in der Online-Zukunft noch bedeutenderen Medien-Partner zu liieren. Focus-Online hat viel zu bieten, weiß aber auch, was mediales Image und Reichweite satt kosten dürfen. So zahlt ein Sponsorpartner für die exklusive werbliche Nutzung eines Themenjournals durchaus eine sechsstellige Summe. Darin inbegriffen ist jedoch nicht nur die Exklusivität auf dem Themenjournal, sondern auch eine starke Co-Branding-Präsenz auf anderen Online-Sites und auch in Printmedien der Burda-Gruppe, über die Focus-Online immer wieder neue User generiert. Das passiert ebenso über den Partner Microsoft-Networks, kurz MSN, auf dessen Homepage immer wieder Gesundheits-Informationen platziert werden: Pro Stunde klicken 5 bis 8.000 MSN-User auf Gesundheitsthemen, um sich näher zu informieren. Das verdeutlicht, was Verleger Hubert Burda unter „medial communities" versteht - die enge Verzahnung von Print und Online zu zielgruppenspezifischen Angeboten.
Mediale Entrepreneurs: MSD, Hexal, ratiopharm
Bisherige Sponsorpartner fand Marks in MSD für „Asthma", „Haarausfall", „Bluthochdruck", „Kopfschmerzen" und „Osteoporose" sowie für den Bereich „Medikamente" in Hexal. Ganz neu kommt ratiopharm mit einem großen Präventions-Journal dazu, womit die Aktion „Gesundheitsbox" in neun großen deutschen Städten medial unterstützt werden soll. Natürlich ist es auch möglich, in einem nicht exklusiv besetzten Themengebiet zu werben.
Das kurz- oder höchstens mittelfristige Ziel ist es, durch eine auf fünf Journalisten aufgestockte Redaktion, aber auch mit Unterstützung der Industrie zum stärksten Gesundheits-Portal zu werden. Doch Marks wird nicht müde zu betonen, dass bei allen Bemühungen „ein rein journalistischer Ansatz" im Fokus stehe. Marks: „Wir schaffen Zielgruppen und wir schaffen Reichweiten, die wir unseren Partnern anbieten können. Damit können wir das Geld verdienen, um uns jene Redakteure zu leisten, die ein Superangebot für die Nutzer machen können."
Oktober 2004, Ausgabe Nr. 10




