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„Gemeinsam besser werden“

02.11.2020 14:41
Wie man seine Marketingstrategie erfolgreich an aktuelle Entwicklungen anpasst und somit neue digitale Gebiete erschließt, funkte antwerpes aus dem diesjährigen MESH-Camp in die Pharma- und Healthcaremarketingwelt. Und so konnten Interessierte beim ersten digitalen MESH-Funk am 7. Oktober erfahren, wie man mit der richtigen Taktik und dem korrekten Einsatz von Mensch und Maschine Erfolge verzeichnen kann.

>> 2016 haben die Sana-Kliniken eine Special Digital Unit gründet – „Sana Digital“. Michael Rosenstock leitet die Einheit und gewährte im MESH-Camp den TeilnehmerInnen Einblicke in den Workflow. Das Team von „Sana Digital“ diene als zentraler Anlaufpunkt, insbesondere für innovative Startups aus dem Bereich Digital Health und als bereichsübergreifende Schnittstelle zu den Sana Krankenhäusern, den Unternehmensbereichen der Konzernzentrale und den Tochtergesellschaften.

Die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt

Gemeinsam mit dem Unternehmen Flying Health werden innovative Lösungen sowie Anwendungen mit disruptivem Potenzial zentral gesucht, mit Fachexperten der Sana Kliniken evaluiert, sowie gegebenenfalls anschließend im Rahmen von Pilotprojekten auf ihren Mehrwert im Falle eines umfangreicheren Einsatzes bei der Sana analysiert. Hierbei stünden die Adaption seitens der Nutzer, die Integrierbarkeit in den Krankenhausalltag und die Zufriedenheit der Patienten sowie der Mitarbeiter im Fokus. Erfolgreiche Projekte würden in einem zentral koordinierten Prozess auf weitere Konzernkrankenhäuser ausgeweitet, um die positiven Effekte digitaler Innovationen bestmöglich zu nutzen.

Als Best Practice stellte Rosenstock die „MeineSana“-App vor; eine Patient Journey App, die medizinischem Fachpersonal hilft, ihre Patienten noch zielgerichteter zu unterstützen. Die App stelle über eine dynamische Zeitleiste die passenden Informationen zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung. Zur Vorbereitung auf einen Eingriff würden die Anwender über ihr Smartphone mit den entsprechenden Informationen zu Behandlungsoptionen versorgt; nach der Behandlung würden sie unter anderem während der Rehabilitation und beim Schmerzmanagement unterstützt. Ärzte könnten am Computer oder Tablet die Fortschritte der Patienten mitverfolgen und falls erforderlich eingreifen. Die Behandlung werde insgesamt erleichtert – vor, während und nach einem Eingriff. Damit bietet die App einen Mehrwert für Patienten und Personal.

Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen mit Heartbeat Medical zusammen, die eine Software entwickelt haben, mit der sich klinische Behandlungserfolge nach der Entlassung aus dem Krankenhaus dokumentieren und messen lassen („Patient Reported Outcome Measures“ (PROMs)). Eine Rücklaufquote von rund 83%, die Rosenstock für diese Anwendung angibt, kann sich da durchaus sehen lassen.

Mit der digitalen Alzheimerfrüherkennung neotiv stellte Rosenstock eine besonders interessante Anwendung vor. Neotiv entwickelt wissenschaftlich basierte Gedächtnistestungen, die anatomisch spezifisch besonders relevante Regionen des Gehirns testen. Einfach und ohne invasive Methoden liefern sie so Informationen über Erkrankungen und den Befall des Gehirnes mit Proteinen im Kontext von Alzheimer.

Damit eine Zusammenarbeit mit den Sana-Kliniken zustandekomme, müsse ein Produkt eigentlich bereits marktreif sein, betonte Rosenstolz; dann geht‘s gemeinsam in die Praxis. „Das meiste, was wir machen, sind Pilotprojekte, bei denen wir auch noch nicht wissen, was rauskommt.“

Agilität & Digitale Transformation

In der anschließenden Diskussionsrunde mit drei Stakeholdern, stand das Thema Agilität im Vordergrund. Dr. Franziska Höfer, Digital Transformation Manager und derzeit für ein Pharma-Unternehmen tätig, erklärte, dass Digitale Transformation im Unternehmen eine Rolle spiele, wenn es um die interne Kommunikation gehe, aber auch bei der Frage, wie beispielsweise Fortbildungen für Ärzte stabil gehalten und der Austausch aufrecht erhalten werden könne. Für Christian Angern, Co-Founder & Managing Director von Sympatient, ist das Thema deutlich präsenter. Er entwickelt mit seinem Team eine vollständig digitale Therapie, die Ärzt*innnen bei Angststörung verschreiben können. Die Patient*innen erhielten damit eine leitliniengerechte Behandlung ohne Wartezeit. Das Startup arbeitet laut Angern mit Kassen wie AOK und TK zusammen.  „Digitale Transformation steht für uns ganz vorne“, so Angern, „wir fangen da bei unseren Mitarbeitern an. Unser Durchschnittsalter liegt im Moment bei 30 Jahren – und 50% der Mitarbeiter sind Entwickler. Wir haben auch beispielsweise unsere Operations komplett digital aufgesetzt, und das sind alles Dinge, die uns in der derzeitigen schwierigen Phase sehr gut zupass kamen.“

Als dritter in der Runde kam Dr. Thorsten Harzer und Vice President, Head of Digital Accelerator bei Qiagen, zu Wort. Er leitet die „crossfunktionale Einheit, die sich der digitalen Tansformation entlang der gesamten Wertschöpfungskette verschrieben hat“. Ein Fokus des Unternehmens liege auf dem Thema E-Commerce. 43% der Umsätze habe man – Stand Ende 2019 – online abgewickelt. Darüber hinaus mache das Unternehmen aber auch eine ganze Menge Projekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette; digitale Technologien stehen, so Harzer, dabei im Vordergrund, um die Prozesse effizienter zu machen. Dass man damit vor 5 Jahren bei Qiagen gestartet sei, habe sich in der Corona-Krise ausgezahlt, da man von einem persönlichen Vertriebsmodell auf ein rein virtuelles habe umstellen müssen. Durch die Erfahrung der letzten Jahre habe man da Vorteile gehabt.

Zuallererst wollte Kölzer etwas über das Mindset wissen, das die Digitale Transformation mit sich bringe. Vor 20 Jahren sei Agilität sprich Beweglichkeit – Stichwort: New Economy – auch schon „heißer Scheiß“ gewesen, aber was habe sich denn seitdem geändert? Höfer sprach von einer aktuell sehr großen Unberechenbarkeit, die offenließe, was und vor allem wann wieder Veranstaltungen möglich  seien. Alles müsse quasi neu geplant werden und da könne Agilität helfen – wenn man sich erlaube zu testen. Und das innerhalb eines kurzfristigen Zeithorizonts.

Für Harzer zeichnete sich Agilität vor der Krise in der Branche durch zu großen risikominierenden Planungswillen aus, der – nicht zuletzt bedingt durch diverse Regularien – verhindert habe, dass neue Konzepte mit den Kunden erprobt wurden. „Das ist bei uns ein Stück weit in den letzten Jahren aufgebrochen“, konstatiert Harzer. Man könne heute auch mit einem unfertigen digitalen Produkt rausgehen und das gemeinsam mit dem Kunden weiterentwickeln.

Gemeinsam besser werden

Für Angern gehört Agilität quasi zur Firmen-DNA: Das Unternehmen ist erst 3 Jahre alt und kann ohne diese Kategorie gar nicht gedacht werden. Das sieht bei Pharmaunternehmen bezeichnenderweise anders aus. Und so wollte Kölzer von Franziska Höfer wissen, wie man das Thema Agilität denn angehen solle? Ausgangspunkt müsse immer die Frage nach der Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit einer Anwendung sein. Gerade in etablierten Unternehmen sei das Bedürfnis nach Sicherheit und dem Althergebrachten nach wie vor groß. Hier den Bogen zur Agilität  und innovativem Denken zu schlagen, sei nicht ganz leicht. „Und nur einen Berg aus neuem und technischem Spielzeug hinzulegen, der bleibt und verstaubt, hab‘ ich mitgekriegt“, so Höfer. Auf Kölzers Nachfrage, was denn vor dem Hintergrund der Agilität im Pharmaunternehmen „Neues hinzugekommen“ sei, nannte Höfer hier das Beispiel einer „Online-Pinnwand“, die es den Mitarbeitern ermögliche, zu jeder beliebigen Zeit Ideen zu hinterlassen. Und das unabhängig vom Gemeinschaftsereignis Online Meeting.

„Thorsten, würdest du sagen, dass Agilität als Treiber von Innovationen funktioniert? Oder braucht es da noch ne Menge anderer Sachen?“, fragte Kölzer. Für Harzer eine „Hauptzutat“ – dieses Mindset im Unternehmen zu verankern. „Am Anfang war das für die Kollegen, die hier schon mitunter mehrere Jahrzehnte im Unternehmen waren, schwierig, da mitzugehen. Wir haben Town Halls veranstaltet, Leute von ,Rewe digital‘ eingeladen, die erklärt haben, wie der Handel disruptet wurde und wie sie sich dem entgegengestellt haben. Auch Vertreter von ,Facebook‘ oder kleine Startups und einen Hackathon veranstaltet, an dem die Kollegen teilnehmen und auch Ideen einreichen sowie an deren umgehender Umsetzung teilhaben konnten. Aber es wirkt. Das Social-Media-Budget steige kontinuierlich zu Lasten der alten Kanäle“, betonte Harzer.

Es gilt also, kreativ zu sein und die Mitarbeiter miteinzubinden: Bottom up. Und doch – da waren sich die drei Experten einig – war im zurückliegenden Jahr ganz klar hauptsächlich ein Akteur Treiber der Digitalen Transformation: Covid-19. Franziska Höfer: „Natürlich hatten wir virtuelle Ansätze überlegt, aber das ist alles explodiert durch Covid-19.“ Etablierte Sales- und Marketingkanäle waren dicht, und es galt neue Wege zu finden. Bei der internen Kommunikation offenbarten sich, durchaus erwartbar, große Unterschiede bei den verwendeten Tools. Während das Startup hier „klassisch“ via „Slack“ kommuniziert und „darüber hinaus eine komplett digitale Office-Infrastruktur hat“, wie Angern angab, ist für das Pharmaunternehmen E-Mail das Maß der Dinge; „und ,Microsoft-Teams‘ eine Herausforderung, der wir uns gerade stellen, um möglichst effektiv zusammenzuarbeiten“, gab Höfer einen Ausblick. <<

Ausgabe 11 / 2020

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