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Nicht auf die lange Bank schieben

03.03.2020 11:55
Mit dem Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) wurde ein Leistungsanspruch der Versicherten auf „Digitale Gesundheitsanwendungen“ (DiGAs) geschaffen. Das heißt, Apps oder Online-Angebote können von Ärzten oder Psychotherapeuten auf Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung verschrieben werden. Doch wie ist die Stimmung bei Krankenversicherern und Start-ups bezüglich möglicher Kooperationen? Die Mehrheit der GKVen, PKVen und Start-ups, die am „Stimmungsbarometer – Kooperationen von Krankenversicherungen und Start-ups“ der Gesundheitsforen Leipzig teilgenommen haben, sieht das DVG als Chance. Sowohl die Krankenversicherungen als auch die Start-ups haben Interesse daran, in einen noch intensiveren Austausch zu treten und die Zusammenarbeit auszubauen. 36 GKVen, 10 PKVen und 25 Start-ups haben sich an der Umfrage im Oktober 2019 beteiligt.

>> Mehrheitlich sehen GKVen und Start-ups das DVG als Chance. PKVen stehen diesem Gesetzesentwurf zum Teil kritisch gegenüber oder halten sich mit einer Stellungnahme zurück, gibt das „Stimmungsbarometer“ preis. Befragt nach der Erfassung von Start-ups und deren Verankerung im Unternehmen, geben 42% der GKVen und 60% der PKVen an, dass sie Start-ups bereits systematisch erfassen und hierfür größtenteils eigene Arbeitsgruppen gebildet haben. Keine der GKVen hat eine eigene Stabstelle für die systematische Erfassung, während keine der PKVen diese in der IT verortet.

Erstaunlich ist, dass trotz des geringeren Engagements bei der systematischen Erfassung von Start-ups durch die GKVen, diese den Untersuchungsergebnissen zufolge mehr Erfahrungen mit derartiger Zusammenarbeit haben: Ganze 72% können entsprechende Kooperationen vorweisen, wobei Pilotprojekt und Produktentwicklung die am häufigsten gewählten Kooperationsformen sind. Bei den PKVen hingegen besitzt nur die Hälfte Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Start-ups. Die am häufigsten gewählten Kooperationsarten decken sich hierbei allerdings mit denen der GKVen, wie die Gesundheitsforen herausarbeiten.

Interessante Ergebnisse liefert die Frage nach dem Kooperationswillen der Krankenversicherungen, die sich bisher noch nicht auf eine Zusammenarbeit mit Start-ups eingelassen haben. Das sind auf Seiten der GKV 17% und bei den PKVen 50%. Bezeichnenderweise hat keine Krankenversicherung ohne bestehende Kooperation Ambitionen zukünftig eine Kooperation mit Start-ups anzustreben. Es bleibt abzuwarten, ob das DVG mit der „App auf Rezept“ möglicherweise hier doch noch Entwicklungspotenzial entfaltet.

Befragt nach den Hürden für Kooperationen mit Start-ups geben die Krankenversicherungen privater als auch gesetzlicher Natur an, dass vor allem gesetzliche Regularien, fehlende Vergleichsmöglichkeiten von Start-ups sowie mangelnde Transparenz Hürden für sie darstellen. Die GKVen erhoffen sich darüber hinaus durch die Kooperation mit einem Start-up eine verbesserte Versorgung, die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und die Möglichkeit, neue Ideen zu fördern. Neben einer verbesserten Versorgung und der Förderung neuer Ideen sehen die PKVen eine Chance darin, ihre internen Prozesse zu optimieren und Kosten zu senken.

Bringen die Start-ups genug Professionalität mit?

Das Stimmungsbarometer fragt auch nach den Bendenken seitens der Kassen eine Kooperation mit Start-ups einzugehen. Sowohl die GKVen wie auch die PKVen treibt im Vorfeld die Sorge unzureichender Professionalität um (knapp 30%). Das bewahrheitet sich nur bei rund 15% der PKVen und bei 21% der GKVen. darüber hinaus haben 13% der GKVen und 21% der PKVen Bedenken, keinen sichtbaren Erfolg zu erzielen. Diese Befürchtung hat sich bei 6% der GKVen und 67% der PKVen bewahrheitet. „Interessant ist dabei, dass die PKVen trotzdem der Ansicht waren, das richtige Start-up ausgewählt zu haben“, analysieren die Studienautoren. Ebenso haben sich für einen großen Teil der Krankenversicherungen gar keine Bedenken bewahrheitet.

Bei den Kriterien zur Bewertung von Start-ups setzen GKVen und PKVen ähnliche Prioritäten. Bei der Erfolgsmessung setzen beide auf Controlling-Maßnahmen, aber auch Befragungen. Krankenversicherungen legen bei der Bewertung von Start-ups viel Wert auf einen innovativen Charakter, auf den Reifegrad und den Business Case. Ob es sich um ein Medizinprodukt handelt, scheint hingegen nicht von höchster Relevanz zu sein. Als effektives Mittel zur Evaluation der Wirksamkeit erhielten das Prozess- und Leistungscontrolling sowie Mitarbeiter- und Versichertenbefragungen von den Krankenversicherungen am meisten Zuspruch.

Betrachtet man die Kooperationen jetzt mal aus dem Blickwinkel der 25 befragten Start-ups, zeigt sich, dass mit 64% ein Großteil auf unterschiedlichen Plattformen gelistet ist. Ungefähr ein Drittel (32%) ist bereits eine Kooperation mit Krankenversicherungen eingegangen. Was hemmt denn Start-ups Kooperationen mit Krankenversicherern einzugehen? Die Befragung ergab, dass die strukturelle und organisatorische Diversität von Krankenversicherungen und Start-ups auch bei den Start-ups für Bedenken sorgt. So befürchten 30% der Start-ups, dass Krankenversicherungen sehr viel Zeit für die Entscheidungsfindung benötigen. Diese Annahme wurde von 23% bestätigt. Lange und statische Prozessabläufe waren eine weitere Sorge. 31% der Start-ups mussten diese Erfahrung tatsächlich machen. Bei keinem Start-up wurde die Befürchtung bestätigt, dass eine falsche Vermarktung des Produktes erfolgt.

Und was glauben Start-ups, wonach Krankenversicherungen vor Kooperationen selektieren? Die Einschätzung der Start-ups hinsichtlich relevanter Kriterien für die Bewertung decke sich größtenteils mit den Aussagen der Krankenversicherungen. Die Bedeutung des Reifegrades und des innovativen Charakters seien von den Start-ups allerdings verkannt worden. Auch die Reputation scheint für die GKVen eine größere Rolle zu spielen, als von den Start-ups angenommen. <<

Ausgabe 03 / 2020

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