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Sechs Konzepte mit großem Potenzial

01.02.2017 10:32
Nun ist es offiziell: Welche Projekte der Innovationsfonds unter dem Dachbegriff „neue Versorgungsformen“ fördert, steht seit einigen Wochen fest. Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) hat 29 Projekte ausgewählt (Gesamtvolumen der Förderung – 225 Millionen Euro), die den Zuschlag bekommen. Darunter sind sechs Projekte der Kategorie „E-Health“ zugeordnet. Allen diesen Projekten ist der Einsatz digitaler Technologien gemeinsam. Nun stellt sich aber die Frage: auf Basis welcher Strukturen, und mit welchen Anschluss-Optionen? Entstehen damit also wieder neue Insellösungen? Oder lassen sie sich – wenn sie dann soweit ist – in die Telematik-Infrastruktur einbinden?

>> Es verläuft kaum eine Diskussion zum Thema E-Health, bei der das Wort „Inkompatibilität“ nicht fällt. Und im gleichen Atemzug fällt meistens auch der Begriff „Insellösung“. Im Vordergrund steht dabei stets die Frage, wie in solch einem heterogenen Umfeld wie dem E-Health-Markt, verschiedene Lösungen miteinander vernetzt werden können, und ob sie sich auch in die Telematik-Infrastruktur einbinden lassen. Diese Frage wird vor allem dann dringend, wenn E-Health-Projekte in die Regelversorgung aufgenommen werden sollen. So wie es bei den sechs aus dem Innovationsfonds geförderten Projekten in wenigen Jahren der Fall sein könnte. Der Innovationsausschuss beim G-BA hat diese Projekte für die Förderung nicht zuletzt in der Hoffnung ausgewählt, dass diese Lösungen es tatsächlich in wenigen Jahren in die Regelversorgung schaffen.

Telemedizin spielt eine große Rolle

Bei den ausgewählten E-Health-Projekten handelt es sich um sehr unterschiedliche Versorgungskonzepte, die hier im Einzelnen vorgestellt werden:

Nachsorge von Intensivpatienten: Hier geht es um Patienten auf Intensivstationen, die künstlich beatmet werden. Damit gehen häufig Langzeitfolgen für die Patienten sowie hohe Behandlungskosten einher. Das Projekt „Enhanced Recovery after Intensive Care“ (ERIC) hat das Ziel, Informationen zur Vermeidung von Langzeitfolgen zu verbreiten, um das rehabilitative Potenzial eines Patienten während und nach der Intensivbehandlung bestmöglich auszuschöpfen. Dabei soll eine stationäre und ambulante Vernetzung unter Nutzung eines E-Health-Systems sowie eines kompetenzbasierten Qualifizierungs- und Personalentwicklungskonzeptes zur lokalen und regionalen Verbesserung der Behandlungsqualität führen.

NierenTx360°
Das Ziel dieses Projektes ist die Verbesserung der Lebensqualität und der Co-Morbiditäten der Patienten mit einer Nierentransplantation durch verbesserte Nachsorgequalität und die Entwicklung sektorenübergreifender Nachsorge-SOPs (Standard Operation Procedure). Zur Methodik gehören telemedizinische Visiten; eine gemeinsame elektronische Fallakte ergänzt die nephrologische Nachsorge in der sektorübergreifenden Zusammenarbeit zwischen NTx-Zentrum und wohnortnahen (kinder-)nephrologischen Versorgern.

Schmerzmedizin Rücken-App
Das Versorgungskonzept „Rise-uP“ soll die zersplitterte und kostenintensive Behandlung von Rückenschmerzen verbessern: durch eine Behandlung nach den Vorschlägen der Nationalen Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz, mit abgestufter Behandlung auf allen Ebenen (Hausarzt, Facharzt, Schmerztherapeut). Die Patienten mit Risikofaktoren für die Entwicklung von chronischen Rückenschmerzen sollen früh identifiziert und der richtigen Behandlung zugewiesen werden.
„Rise-uP“ besteht aus einem Therapie-navigator mit elektronischer Dokumentation inklusive Behandlungsvorschläge, der Vernetzung der verschiedenen Ärzte über Telemedizin zum Austausch aller Informationen und der ständigen Einbindung der Patienten über eine Rücken-App. Die Rücken-App enthält Informationen zur Erkrankung und Übungsanleitungen zur Entspannung und Kräftigung.

Teledermatologie in der HzV
Bei diesem Projekt soll die Versorgung von Patienten mit dermatologischen Beschwerden im Rahmen der hausärztlichen Versorgung durch telemedizinische Konsile verbessert werden. Hierzu wird in Hausarztpraxen innerhalb der hausarztzentrierten Versorgung (HZV) in Baden-Württemberg ein teledermatologisches Konsilsystem implementiert. Die Evaluation erfolgt im Rahmen einer auf Landkreisebene randomisierten, kontrollierten Studie mit qualitativ-quantitativer Prozessevaluation. Als sekundäre Zielparameter werden Informationen auf Ebene der Patienten (z.B. Lebensqualität, Zufriedenheit) und Ärzte (z.B. Akzeptanz, Machbarkeit im Praxisalltag) quantitativ und qualitativ erhoben.

Telemedizinische Notfallversorgung
Hierbei sollen telemedizinische Prozesse die Notfallrettung in einem ländlich strukturierten Versorgungsgebiet unterstützen. Eine zusätzliche Notarzt-Kapazität zur Überbrückung therapiefreier Intervalle und Auffangen von Kapazitätsengpässen soll außerdem geschaffen werden.

Wohnortnahe Gesunsdheitsversorgung
Das Konsortium „TELnet@NRW“ baut in diesem Projekt ein sektorenübergreifendes telemedizinisches Netzwerk als neue digitale Versorgungsform auf. Beispielhaft implementiert wird in der Infektiologie und Intensivmedizin zusätzliche ärztliche Expertise und Kompetenz bedarfsgerecht, hochverfügbar und kosteneffizient am notwendigen Ort zur Verfügung gestellt. Die Methodik beinhaltet eine prospektive Studie einer Versorgungsinnovation als Längsschnittuntersuchung mit circa 50.000 Patientinnen und Patienten. Zum Konsortium von „TELnet@NRW“ gehören 17 Krankenhäuser, 2 Ärztenetze und 2 Universitätskliniken. (Förderung: 20 Millionen Euro über drei Jahre).

Dass es künftig sehr wohl Vernetzungsoptionen für die Projekte gibt, macht Univ.-Prof. Dr. med. Gernot Marx, am Beispiel von „TELnet@NRW“ im Interview deutlich. <<

Ausgabe 02 / 2017

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