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Erwartungen sollten erfüllt werden

04.05.2021 14:30
Investoren, aber auch die Mitarbeiter*innen von Pharmaunternehmen beurteilen diese zunehmend auch danach, inwieweit diese den Medikamentenzugang auch in Mittel- und Niedrigeinkommensländern verwirklichen. Die Studie „Making access to medicines business as usual“ von Strategy&, der Strategieberatung von PwC, untersucht den Status quo und gibt Empfehlungen, wie sich der Medikamentenzugang realisieren lassen könnte. Denn der langsame Fortschritt bei diesem Thema sei eine verpasste wirtschaftliche Gelegenheit, so die Autor*innen der Studie.

>> Der Zugang zu Arzneimitteln (Access to Medicines – ATM) in Niedrig- und Mittelseinkommensländern (low-to-middle income countries – LMICs) sei stets als moralische – wenn schon nicht rechtliche – Verpflichtung von Pharmaunternehmen angesehen worden, schreiben die Autor*innen der Studie. Die starke Zunahme von nicht ansteckenden, chronischen Krankheiten in diesen Staaten während der letzten Dekade und die Folgen von COVID-19 im Jahr 2020 hätten diesem Thema aber eine noch nicht dagewesene Dringlichkeit verliehen.

„Während im Kampf gegen übertragbare Krankheiten bereits erhebliche Fortschritte erzielt wurden, breiten sich nicht-übertragbare Krankheiten wie Diabetes und Krebs in Mittel- und Niedrigeinkommensländern verstärkt aus. Die derzeitigen Gesundheitsstrategien globaler Pharmaunternehmen berücksichtigen diesen Umstand bisher noch nicht in ausreichender Art und Weise“, sagt Holger Schmidt, Partner bei Strategy& und Co-Autor der Studie.

Bisher seien Arzneimittelhersteller ihren ATM-Verpflichtungen üblicherweise in Form von Corporate-Social-Responsibility-Initiativen nachgekommen, häufig in Zusammenarbeit mit internationalen Nichtregierungsorganisationen oder im Rahmen philanthropischer Programme. Allerdings werde ATM nun mit zunehmendem Tempo zu einer Schlüsselgröße für Investoren, Mitarbeiter*innen und andere Stakeholder, stellt die Studie fest. Das erfolgreiche Verfolgen eines ganzheitlichen Ansatzes in Sachen ATM könne daher neue geschäftliche Möglichkeiten für die Unternehmen schaffen.

Investitionen, die sozialen, Umwelt- und Governance-Prinzipien folgen, boomen. Laut Daten der Global Sustainable Investment Alliance überstieg das weltweit nachhaltig investierte Kapital im Jahr 2018 die Summe von 30 Billionen US-Dollar.

Wenn es um die Beurteilung der Pharmaindustrie geht, wird der ATM-Index, der die 20 größten Pharmaunternehmen weltweit danach bewertet, inwieweit sie ihre Medikamente auch in LMICs verfügbar machen, zunehmend als Benchmark für nachhaltige Investitionen verwendet. Die ATM Foundation berichtet, dass bis Januar 2020 mehr als 100 Investoren mit einem Investitionsvolumen von rund 14 Billionen US-Dollar zugesagt hatten, die ATM-Performance in die Bewertung von Firmen einzubeziehen.

Gleichzeitig weist eine Analyse, die Strategy& durchgeführt hat, nach, dass die Mitarbeiterzufriedenheits-Rankings von Glassdoor – einer Website, auf der ehemalige und aktuelle Angestellte ihre Arbeitgeber nach einer Reihe von Kriterien, zum Beispiel Unternehmenskultur und Bezahlung, bewerten können – bei großen Pharmaunternehmen zeigen, dass es eine Korrelation zwischen hohen Nachhaltigkeitsbewertungen und einem motivierenden Arbeitsumfeld gibt, was wiederum zu besseren Leistungen der Arbeitnehmer*innen führt.

Daher konzentriert sich die Strategy&-Studie darauf, wie Pharmaunternehmen Access to Medicines für nicht-ansteckende Krankheiten in LMICs als Teil ihrer Geschäftsstrategien implementieren können. Gegenwärtig sei dabei eine wesentliche Herausforderung für die Pharmaunternehmen, dass diese Erkrankungen in den LMICs nicht die koordinierten internationalen Maßnahmen anziehen, wie es bei der Bekämpfung übertragbarer Krankheiten wie HIV/AIDS, Malaria, Polio und bei anderen Infektionskrankheiten geschehen ist, deren Ausbreitung durch Impfungen verhindert werden kann.

Daher befassen sich die Autor*innen der Studie damit, wie die Industrie dieses Hindernis überwinden und profitable ATM-Initiativen für die Behandlung nicht-übertragbarer, chronischer Erkrankungen entwickeln kann.
Gestützt auf aktuelle Forschungsergebnisse und Analysen von Strategy&, die auch Interviews mit Senior-Führungskräften führender Pharmaunternehmen, die für den Bereich ATM verantwortlich zeichnen, und mit Beamten internationaler Organisationen einbeziehen, die für die Förderung des Zugangs zu Arzneimitteln zuständig sind, sind dies die wichtigsten Erkenntnisse der Studienautor*innen:

  • Erfolgreiche ATM-Initiativen für nicht-übertragbare Krankheiten in LMICs erfordern einen Wechsel weg von vertikalen, erkrankungsspezifischen Strategien und hin zu einer horizontalen, ganzheitlichen Gesundheitsversorgung.
  • Pharmaunternehmen können dadurch die Grundlagen für diesen Wandel schaffen, dass sie ATM für nicht-übertragbare Krankheiten zu einem integralen Bestandteil ihrer Geschäftsstrategie machen, indem sie einen Outcome-basierten Ansatz und Lösungen jenseits der Preisgestaltung verfolgen. So könne ATM für diese Erkrankungen in LMICs potenziell zu einem langfristigen Umsatz- und Gewinnfaktor für Pharmaunternehmen werden, was allerdings erfordere, dass sich die Vorstandsebene diesem Ziel verpflichte, sowie eine Anpassung der Prozesse zur Entscheidungsfindung und der Geschäfts-KPIs notwendig mache.
  • Eine wirksame Strategie zur Erhöhung des ATM für nicht-übertragbare Krankheiten in LMICs mache es notwendig, dass Pharmaunternehmen mit anderen (zum Beispiel über verschiedene Therapiebereiche hinweg), aber auch mit Regierungs- und Nichtregierungsakteuren eng zusammenarbeiten, um ein neues, effektives Healthcare-Ökosystem zu schaffen.
  • Diese Ökosysteme – angeführt von erfahrenen internationalen Organisationen – sollten Kooperation fördern, indem sie Modelle der Zusammenarbeit praktizieren, die mit der von GAVI geführten globalen Impfstoffallianz vergleichbar sind.


„Aus unserer Sicht haben Pharmaunternehmen drei maßgebliche Ansatzpunkte, um nachhaltige Geschäftsstrategien für den Medikamentenzugang für nicht-übertragbare Krankheiten zu entwickeln“, sagt Holger Schmidt zusammenfassend: „Den Aufbau internationaler Stakeholder-Partnerschaften, die Integration der Medikamentenzugänglichkeit in die Unternehmensstrategie sowie die Einführung wirkungsvoller und ergebnisorientierter Programme, wie zum Beispiel strukturierte Spendenprogramme, Patientenzugangsinitiativen zu spezifischen Produkten oder Zuzahlungsmodelle.“

Darüber hinaus verstehe man bei Strategy& auch Veränderungen in der Unternehmensorganisation und -kultur als Schlüsselfaktor: Die Etablierung der Verantwortung auf Vorstandsebene sowie flexiblere und innovative Strategieprogramme könnten ein erfolgreiches, nachhaltiges Geschäftsmodell für den Medikamentenzugang fördern, so Holger Schmidt. „Da sowohl Investoren als auch Mitarbeiter von Pharmaunternehmen die Realisierung von Medikamentenzugang auch in Mittel- und Niedrigeinkommensländern erwarten, hat die Erfüllung dieser Verpflichtung beispielsweise einen positiven Einfluss auf die Mitarbeiterzufriedenheit sowie externe Nachhaltigkeitsbewertungen.“ <<

Ausgabe 05 / 2021

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