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Personen und sensible Themen

06.05.2019 10:24
Vom verschnupften Menschen bis hin zum Model, dem eine schwere Krankheit attestiert wird – das thematische Spannungsfeld der in der Pharma-Branche eingesetzten Porträts zu Werbezwecken ist groß. Worauf muss ich achten, wenn ich Menschen im Zusammenhang mit heiklen Themen abbilde? Wann sollte ich vor der Veröffentlichung eines Bildes eine fachkundige Meinung einholen? Ein Blick ins Nähkästchen der Hamburger Bildbeschaffer.

>> Als Bildbeschaffer haben wir täglich mit Menschen und ihren Fragen rund um die Arbeit mit Bildern zu tun: „Sollen wir für unsere nächste Kampagne ein Bild shooten oder doch lieber bei einer Agentur einkaufen?“, „Wir haben hier ein Agenturbild gefunden, das wir gern nutzen würden – ist es bildrechtlich bedenklich oder steht der Veröffentlichung nichts im Wege?“, „Könnt ihr uns eine Auswahl an Bildern zusammenstellen, die eine glückliche Familie am Küchentisch zeigen?“ Einige der Anfragen sind tägliches Brot, besonders Spaß macht es aber, wenn es herausfordernd wird – so zum Beispiel beim Thema Porträts im Zusammenhang mit sensiblen Inhalten.

Beispiele aus dem Alltag der Bildbeschaffer

Nehmen wir das Beispiel eines Models, das sich mit einem Taschentuch in der Hand zeigt. Beim Shooting hat die Porträtierte sicherlich damit gerechnet, dass ihr auf Plakaten, auf Websites oder in Broschüren entweder ein Schnupfen oder auch eine Allergie attestiert wird. So weit, so unproblematisch. Sobald die Person aber mit einer schwerwiegenderen Krankheit in Verbindung gebracht wird, können Probleme auftreten. Welches Model will schon, dass es die Worte „Ich bin hochgradig depressiv“ in den Mund gelegt bekommt, wenn es davon ausging, es habe für das Symbolbild eines harmlosen Schnupfens Model gestanden?

Die Lizenzbedingungen der Bildagenturen verbieten, dass Models diffamiert werden. Das öffnet viel Raum für Spekulationen und Unsicherheit: Ist das Model, das mit den Worten „Ich habe keine Prostata-Probleme“ gezeigt wird, damit einverstanden gewesen? Und wie sieht es mit der jungen Frau aus, die für ein Menstrua-tionstässchen wirbt? Kein Problem oder rechtlich bedenklich? Auch Fragen wie diese klären wir für unsere Kunden gern vorab.

Stichwortsuche, exklusive und „sensitive use“-Lizenzen

Stichworte, mit denen das Bild bei einer Agentur verschlagwortet ist, geben häufig einen Hinweis darauf, was man mit dem Bild machen darf. Doch auch hier bedeutet es nicht, dass ein Blick ins Kleingedruckte überflüssig ist. Bei Agenturen wie Getty Images oder auch istock ist der Fall klar: Die Bilder, zu denen mich meine Stichwortsuche führt, darf ich in diesem Zusammenhang auch verwenden. Das gilt aber nicht für
jede Agentur.

Und dann ist da noch die Sache mit den exklusiven Lizenzen, die durchaus einen Sinn haben. In der Pharmabranche kann es extrem rufschädigend sein, wenn zwei Firmen dasselbe Bild unabhängig voneinander nutzen. Deshalb ist es im Zweifel besser, die Hände wegzulassen von einem Microstock-Bild, das zwar professionell und günstig ist, aber eventuell schon im Rahmen einer anderen Kampagne gezeigt wurde, im schlimmsten Fall sogar von der Konkurrenz. Wer sichergehen will, lässt shooten und bucht das Model exklusiv.

Bei einigen Agenturen wie Adobe oder Shutterstock gibt es die sogenannte „sensitive use“-Lizenz, die es Kunden erlaubt, die gekauften Inhalte zur Bebilderung sensibler Themen wie Krankheit, Medikamente, Diskriminierung, Missbrauch o.Ä. zu verwenden. Viele Bildagenturen aber verbieten heikle Nutzungen in der Regel. Und in den meisten Fällen der Lizenzen zur sensiblen Nutzung kauft man die Verpflichtung mit ein, im Rahmen der Veröffentlichung klar darauf hinzuweisen: „Diese Szene wurde mit einem Model nachgestellt.“ Wer suggeriert, dass ein Model eine Geschlechtskrankheit hat oder ihm fälschlicherweise eine psychische Erkrankung attestiert, ohne diesen Hinweis zu veröffentlichen, der nimmt trotz „sensitive use“-Lizenz ein teures Nachspiel in Kauf.

Shooting oder Bilderkauf – das ist hier die Frage

Im Gegensatz zum Bilderkauf bei Agenturen hat man bei Shootings die Möglichkeit, das Model selbst zu fragen, die Nutzung bei sensiblen Themen vertraglich zu regeln und entsprechend gebührend zu bezahlen. Wer sich aber bereits in ein bestehendes Bild verliebt hat, bereit ist, Geld für eine exklusive Nutzung auszugeben und sich mit intensivem Blick ins Kleingedruckte vergewissert hat, rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, der kann das Bild auch nutzen, ohne zuvor mit dem Model gesprochen zu haben. Und wer ganz auf Nummer sicher gehen will, der kann sich mit uns Bildbeschaffern in Verbindung setzen – wir klären den Einzelfall gern für Sie.

Fazit

Wer mit sensiblen Themen zu tun hat, sollte die Formulierungen in den Lizenzbedingungen genau studieren – und sich nicht davon abschrecken lassen. Denn so heikel das Kleingedruckte auch klingen mag, meist bedarf es nur einen „Übersetzer“, der die Lizenzbedingungen prüft und klärt. Hier kommen wir als Bildbeschaffer gern ins Spiel. Zudem geben die meisten Agenturen auf eine konkrete Nachfrage zu einem bestimmten Bild keine Einzelfall-Bewertung darüber ab, ob die Bildnutzung in einem speziellen Zusammenhang problematisch werden könnte. Das Abwägen, ob das Bild also eingekauft und genutzt werden kann oder ob nicht doch ein eigenes Shooting die bessere Alternative ist, übernimmt wahlweise entweder Ihr gutes Bauchgefühl – oder wir als Bildbeschaffer. <<

Autoren
Michaela Koch und Alexander Karst gründeten im Jahr 2008 Die Bildbeschaffer. Die Hamburger Agentur ist spezialisiert auf Bildeinkauf, Recherchen, Rechteklärung, Verschlagwortung, Asset Management und dazugehörige Dienstleistungen und Seminare. Die Leidenschaft der Bildbeschaffer mit ihrem weit gespannten Netzwerk aus Rechtsanwälten, Informatikern und Druckspezialisten gilt vor allem der Aufgabe, das richtige Bild für das richtige Projekt zu vermitteln. Zu Hause sind sie im Hamburger Karolinenviertel – und hier: www.die-bildbeschaffer.de

Ausgabe 05 / 2019

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