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Goldene Zeiten für Generika

06.02.2012 13:09
Was für die Einen ein herber Verlust ist, ist für die Anderen die große Chance. Die Tatsache, dass demnächst die Patente für viele Blockbuster-Medikamente auslaufen, treibt die Original-Hersteller zum Umdenken, während die Generika-Produzenten mit den Hufen scharren. Dass die Patentausläufe für die Letzteren gewinnversprechend sind, bestätigt nun auch die Studie „Generic Pharmaceuticals Market – A Global Analysis“ des Marktforschungsunternehmens Frost & Sullivan. Bis zum Jahr 2017 soll durch das Auslaufen der Patente im Wert von 150 Milliarden US-Dollar der Weg zum Markteinstieg für Generika-Hersteller geebnet werden. Nicht zuletzt sollen auch die Bemühungen um Kosteneinsparungen von Regierungen und Gesundheitsdienstleistern dazu beitragen, dass der Generikamarkt weltweit aufblüht.

>> Die Frost & Sullivan-Experten gehen nicht nur davon aus, dass  der Generikamarkt in den nächsten Jahren mit einem starken Wachstum rechnen kann. Sie prognostizieren auch eine Verschiebung bei den Gesundheitskosten und Verkaufsumsätzen: aus den Industrieländern in die aufstrebenden Märkte wie Indien, China, Brasilien, Russland, Türkei und Südkorea. Diese (BRIC-)Länder verfügten über „enorme Potenziale“, die bislang unausgeschöpft sind, hieß es in der Pressemeldung anlässlich der Veröffentlichung der Studienergebnisse. In den Märkten der BRIC-Länder sowie der Türkei wird die Wachstumsrate auf 15 bis 20 Prozent geschätzt, während sie bei den entwickelten Märkten lediglich 6 bis 10 Prozent in den nächsten fünf Jahren beträgt. Die „generische Penetration“ soll in den nächsten sieben Jahren vor allem auf den folgenden Indikationsgebieten zunehmen: Erkrankungen des Zentralen Nervensystems (ZNS), kardiovaskuläre Erkrankungen, Onkologie und Rheumatologie.
Laut der Studie (abrufbar unter http://www.pharma.frost.com) erwirtschaftete der Weltmarkt für Generika im Jahr 2010 Umsätze in Höhe von 123,85 Milliarden US-Dollar, die bis zum Jahr 2017 bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 9,29 Prozent von 2011 bis 2018 auf 231 Milliarden US-Dollar anwachsen sollen. Erfasst wurden in der Studie die Regionen USA, Europa (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Italien) und Asien (Indien und China).
„Der Trend geht zu weniger wettbewerbsfähigen und doch kommerziell attraktiven Segmenten wie schwer herzustellenden Generika, Specialty-Generika und Biosimilars“, sagt Frost & Sullivan Research Analystin Aiswariya Chidambaram. Die führenden Generika-Hersteller haben bereits laut Frost & Sullivan strategische Allianzen mit Pharma-Markenunternehmen aufgebaut, um die Vermarktungsrechte und die Exklusivität bei der Herstellung von generischen Versionen von Blockbuster-Medikamenten wie  „Lipitor“, „Cozaar“ oder „Crestor“ zu sichern. Marktführer wie Teva, Sandoz und Mylan würden sich dabei verstärkt auf Biosimilars konzentrieren, da dieses Segment deutliche Wettbewerbsvorteile und enorme Gewinnspannen aufweise.
Neben der positiven Wachstumsprognose weist Frost & Sullivan auch darauf hin, dass den Marktteilnehmern nicht nur rosige Zeiten bevorstehen. So könnten die stetig strenger werdenden Vorschriften und die von den Regierungen gesetzten Maßnahmen zur Preiskontrolle die Gewinnspannen von Generika-Herstellern tendenziell drücken. Gleichzeitig spielten ihnen jedoch die aktuellen Entwicklungen im Gesundheitswesen vieler Länder in die Hände. „Die zunehmende Ausbreitung von chronischen Erkrankungen, neu entdeckten Krankheiten und die alternde Bevölkerung üben inzwischen einen erheblichen Druck auf die Regierungen aus, die in der Folge zu verstärkten Maßnahmen zur Kosteneindämmung gezwungen sind, um die wuchernden Gesundheitskosten zu begrenzen“, sagt Aiswariya Chidambaram.
Darüber hinaus werde auch der zunehmende Wettbewerb die Generikafirmen vor wichtige Entscheidungen stellen. Sie werden sorgfältig abwägen müssen, in welchen Produktsegmenten sie aktiv sein wollen und welches der geeignete Moment für einen Markteinstieg ist, so die Schlussfolgerung der Frost & Sullivan-Experten. Sie empfehlen deshalb großen multinationalen Generika-Unternehmen, differenzierte Ansätze zu verfolgen. Neben Produkten mit technologisch herausfordernden Formulierungen, die erhebliche gesetzgeberische Unterstützung erfordern, rät die Frost & Sullivan-Analystin Produkte mit begrenzter Verfügbarkeit von Wirkstoffen zu wählen. „Kleine und mittlere Unternehmen sollten sich auf Produkte mit vergleichsweise höheren Gewinnspannen konzentrieren“, empfiehlt Chidambaram.
Speziell für Deutschland hat die Expertin ebenfalls einen Rat: „Da Deutschland ein großer Generika-Markt ist, ist es vor allem wichtig, ein umfassendes Produkt-Portfolio und ein proaktives Marketing mit Hilfe einer adäquaten Vertriebsstrategie beizubehalten.“ Den Wert der Patente von Blockbuster-Medikamenten, die in Deutschland bis 2017 auslaufen werden, schätzt sie auf 110 Milliarden US-Dollar. Die Aussichten für Generika-Hersteller seien daher positiv, auch wenn Parallelimporte aus billigeren Märkten eine gewisse Herausforderung für die bereits bestehenden Marktteilnehmer darstellen würden. <<

Ausgabe 01 / 2012

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