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Aufschwung für digitale Medizin: Nutzerzahlen von Gesundheits-Apps wachsen in der Coronakrise um 16%

20.05.2020 13:01
Während deutsche Startups branchenübergreifend mit den wirtschaftlichen Auswirkungen von COVID-19 zu kämpfen haben, erkennen Gründer und Investoren aus dem Bereich Digital Healthcare Wachstumspotenziale. Sowohl die hohe öffentliche Aufmerksamkeit für Gesundheitsthemen als auch der Boom digitaler Anwendungen in Zeiten des Social Distancings könnte die Branche rund um Gesundheits-Apps und Telemedizin beflügeln, so die Ergebnisse einer Umfrage unter deutschen Digital-Healthcare-Startups und -Investoren sowie eine Datenanalyse von Strategy&, der Strategieberatung von PwC.

Die Strategy&-Umfrage zeigt: Die monatlichen Nutzerzahlen von Health- und Fitnessanwendungen sind seit Mitte März in Deutschland um 16% angestiegen. Die Zahl der Digital-Health- und Fitness-App-User erreicht in Deutschland mit 20,4 Mio. einen neuen Höchststand (im Vergleich zu 17,6 Mio. im Vorjahreszeitraum). 80% der Digital-Healthcare-Startups berichten zudem, dass ihre Kunden die Apps immer häufiger nutzen. Entsprechend sehen 82% der Befragten die Krise als Chance und 72% rechnen mit höheren Investments in die eigene Sparte im Vergleich zum Vorjahr.

„COVID-19 beschleunigt die Digitalisierung in der Medizin in einem enormen Ausmaß. Patienten und Ärzte nutzen aktuell vermehrt virtuelle Behandlungsmöglichkeiten und erkennen deren Vorteile. Daher könnten sich digitale Lösungen auch mittel- und langfristig als Ergänzung traditioneller Methoden etablieren. Ihre Resilienz haben Digital-Healthcare-Startups schon während der Finanzkrise mit geringen Finanzierungsrückgängen unter Beweis gestellt. Das aktuelle Stimmungsbild der deutschen Gründerszene bestätigt uns in der Prognose, dass die Ausgaben für digitale Gesundheitslösungen bis 2030 allein in Deutschland ein Marktvolumen von rund 40 Mrd. US-Dollar erreichen werden“, erläutert Dr. Thomas Solbach, Studienautor und Partner bei Strategy&.

Als größte mittelfristige Wachstumschance betrachten 88% der Interviewten das krisenbedingt deutlich gestiegene Bewusstsein für digitale Angebote in der Bevölkerung, die durch die aktuell hohe Auslastung des Systems verstärkt einen eigenen neuen Zugang zu Gesundheitslösungen finden muss. Solche neuen Wege wie Gesundheits-Apps eröffnen aus der Sicht von 12% der Befragten neue COVID-19-spezifische Geschäftsfelder. Gleichzeitig blicken deutsche Digital-Healthcare-Startups realistisch auf die einschränkenden Faktoren der Krise, die sie bewältigen müssen, um die Marktpotenziale voll ausschöpfen zu können. 58% machen sich Sorgen, dass Investoren Venture Capital aus Risikoprojekten zurückziehen. Außerdem befürchtet die Hälfte der Befragten, dass die Kostenträger in der Folge der Krise noch preissensibler agieren.

Im Bereich Marketing und Sales werden kontaktlose Alternativen zu Messen und persönlichen Treffen noch länger eine zentrale Rolle spielen. So berichten 62% der Befragten von COVID-19-bedingten Veränderungen in diesem Bereich. Neue Möglichkeiten bieten Social-Media-Kanäle wie LinkedIn oder auch die digitale Kontaktaufnahme zu Ärzten, die ihre Patienten aktuell nur begrenzt persönlich betreuen können. Die steigenden Nutzerzahlen bei Gesundheits-Apps sollten die Startups zudem zeitnah in detaillierte Datenanalysen einfließen lassen, um den medizinischen Mehrwert ihrer Anwendungen zu dokumentieren.

„Für Digital-Healthcare-Startups könnte sich die COVID-19-Pandemie als entscheidende Wegmarke in der eigenen Entwicklung erweisen. Um Zertifizierungsprozesse und somit die Einführung innovativer Produkte weiter zu beschleunigen, sind Kooperationen etablierter Gesundheitsunternehmen, wie etwa Pharmafirmen, mit Start-ups denkbar, um langjährige Erfahrung mit innovativen Geschäftsideen zu vereinen. So könnte es gelingen, bürokratische Hürden im Dialog mit den Regulatoren schrittweise abzubauen. Der Weg hin zu einer patientenzentrierten digitalen Medizin mit dem Fokus auf Prävention ist angesichts des aktuellen Digital-Booms selten so klar vorgezeichnet wie heute“, schließt Thomas Solbach.

Methodik
Für die Studie wurden mit Unterstützung des Spitzenverbands Digitale Gesundheitsversorgung e.V. 27 deutsche Digital-Health-Gründer und -Investoren im April 2020 befragt.

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