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Deutschland braucht jetzt einen Corona-Pakt für digitale Gesundheitsversorgung

05.04.2020 16:26
Der Spitzenverband der eHealth-Anbieter hat an die Bundesregierung appelliert: eHealth-Leistungen hätten ihre Systemrelevanz bewiesen. Es bedürfe daher einer sofortigen Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkassen, um sie zu erhalten. Zudem benötigten die überwiegend jungen eHealth-Anbieter dringend den Schutz des finanziellen Rettungsschirms.

Die Corona-Pandemie droht, das Gesundheitssystem zu überlasten. Digitale Gesundheitsdienste (eHealth Apps) sind in hervorragender Weise geeignet, schnelle und nachhaltige Entlastung zu bringen und so Versorgungssicherheit herzustellen. Telemedizinische Behandlungen, die den persönlichen Besuch in der Arztpraxis ersetzen, sind nur ein Beispiel. Viele verschiedene eHealth-Dienste hätten diesen besonderen Wert für die Patienten und unser Gesundheitssystem in den vergangenen Tagen bestens bewiesen, so der Spitzenberband Digitale Gesundheitsversorgung (SVDGV). Die Mehrheit der Anbieter stelle Betroffenen der Pandemie ihre Leistungen sogar kostenfrei zur Verfügung. Ein systematischer Ausbau der Verfügbarkeit von eHealth für alle Bürgerinnen und Bürger wäre daher nach Meinung des SVDGV dringend angeraten. Über diese Tatsache bestehe "bei allen progressiven Vertretern des Gesundheitssystems Einigkeit".

Anstelle eines Ausbaus der eHealth-Verfügbarkeit drohe aber das Gegenteil: Die wirtschaftlichen Schäden der Corona-Pandemie träfen viele eHealth-Anbieter in Deutschland so schwer, dass deren Konkurs drohe. Der Grund: Die meist jungen Unternehmen (Startups) könnten aufgrund fehlender gesetzlicher Möglichkeiten zur Erstattung durch Krankenkassen bisher nicht selbstständig ausreichend Umsatz erwirtschaften. Auch Bankkredite seien für sie aus diesem Grund nicht zugänglich. Viele lebten bisher von Investorengeldern, die angesichts der wirtschaftlichen Verunsicherung nun kaum noch zur Verfügung stünden.

Der geplante 600-Milliarden-Rettungsschirm der Bundesregierung könnte eine Hilfe sein, jedoch seien fast alle eHealth-Anbieter von ihm vollständig ausgeschlossen, so der SVDGV. Nicht einmal fünf Prozent würden von den zu strengen Zugangskriterien erfasst. Werde diese Fehlentscheidung nicht umgehend korrigiert, sei der Fortbestand der gesamten DIGA-Branche Deutschlands gefährdet. Digitale Gesundheitsleistungen würde Deutschland künftig dann vorrangig von außereuropäischen Anbietern beziehen müssen, allen voran aus den USA und China.

Der Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung e.V. fordert von der Bundesregierung daher für alle eHealth-Dienste, die der Diagnostik, Prävention, Therapie oder Rehabilitation dienen

  • die sofortige Aufnahme unter den finanziellen Rettungsschirm der Bundesregierung,
  • die sofortige Erstattung durch gesetzliche Krankenkassen für die Dauer der Krise,
  • eine aktive Aufklärung der gesetzlich Versicherten durch die Krankenkassen über evidenzgesicherte, digitale Gesundheitsanwendungen, sowie
  • eine beschleunigte Umsetzung von Kooperationsverträgen zwischen Krankenkassen und eHealth-Anbietern.
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