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KI als Pandemie-Schutzschild

04.02.2020 17:58
Künstliche Intelligenz (KI) ist die Schlüsseltechnologie der Zukunft – gerade in der Healthcare-Branche. Denn KI kann Daten verarbeiten, schneller Zusammenhänge herstellen und dazu beitragen, Krankheiten besser zu diagnostizieren und die Ausbreitung präziser vorherzusagen. So schickte ein AI-Epidemiologe die ersten Warnungen vor dem Coronavirus bereits vor öffentlicher Bekanntmachung der Weltgesundheitsorganisation.

Am 31. Dezember wurde die Weltgesundheitsorganisation erstmals über eine Häufung von Lungenentzündungen in der chinesischen Metropole Wuhan aufmerksam gemacht. Eine Woche später haben chinesische Autoritäten die Ursache identifiziert: der neuartige Coronavirus. Aber bereits am 31. Dezember informierte die kanadische Gesundheitsüberwachungsplattform BlueDot seine Kunden über die Ausweitung der Krankheit.

Der BlueDot-Algorithmus durchkämmt fremdsprachige Nachrichtenberichte, Tier- und Pflanzenkrankheitsnetzwerke, Flugticketdaten sowie offizielle Nachrichten, um die Ausbreitung von Krankheiten vorherzusagen und vor Gefahrenzonen wie Wuhan zu warnen. Der Algorithmus berücksichtigt auch Foren oder Blogs mit Hinweisen auf ungewöhnliche Ereignisse, hingegen keine Social Media-Beiträge, weil diese Daten zu unübersichtlich und ungenau sind.

Während eines Ausbruchs ist Schnelligkeit gefordert. Fraglich ist, ob chinesische Behörden Informationen über Krankheiten, Luftverschmutzung oder Naturkatastrophen rechtzeitig zur Verfügung stellen. Doch bei der Überwachung von Krankheiten sind die World Health Organization (WHO) und die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) auf eben diese Gesundheitsbehörden angewiesen. “Sicherlich kann KI unterstützen, schneller Einsatzschwerpunkte zu identifizieren und so einen positiven Einfluss auf die Gesundheitsversorgung nehmen”, erklärt Sascha Keys, Director Health & Life Science bei TWT.

In diesem Fall konnte BlueDot insbesondere mit Hilfe von Zugang zu globalen Flugticketdaten prognostizieren, wohin und wann die infizierten Bewohner als nächstes gehen. Der Algorithmus sagte korrekterweise voraus, dass der Virus in den Tagen nach seinem ersten Auftreten von Wuhan nach Bangkok, Seoul, Taipeh und Tokio springen würde.

Kamran Khan, ein Spezialist für Infektionskrankheiten, träumte davon, einen besseren Weg zu finden, um Krankheiten zu verfolgen. Nachdem er mehrere Prognoseprogramme getestet hatte, startete er 2014 BlueDot. Das Unternehmen hat heute 40 Mitarbeiter – Ärzte und Programmierer –, die das Analyseprogramm zur Krankheitsüberwachung entwickeln und trainieren. Dieses durchsichtet mit Hilfe von natürlicher Sprachverarbeitung und maschinellen Lernverfahren Nachrichtenberichte in 65 Sprachen.

Sobald die automatische Datenerfassung abgeschlossen ist, übernimmt die menschliche Analyse die Aufgabe: Epidemiologen prüfen, ob die Schlussfolgerungen aus wissenschaftlicher Sicht sinnvoll sind. Die Berichte von BlueDot werden dann an Beamte des öffentlichen Gesundheitswesens in einem Dutzend Länder, die Wirtschaft und die Kunden des öffentlichen Gesundheitswesens geschickt. Auch Krankenhäuser, in denen infizierte Patienten landen könnten, erhalten die Berichte.

“Dieses jüngste Beispiel zeigt das enorme Potenzial von Künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen. Vor allem müssen KI-Anwendungen in allen Prozessen von Beginn an mitgedacht werden. Nur so lassen sich heterogene Daten schnell zusammenführen und auswerten”, erklärt Sascha Keys.

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