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Self Tracking Report 2022: Bürger wollen ihre Gesundheitsdaten freigeben

01.06.2022 12:38
Die Bevölkerung vertraut der medizinischen Forschung und will ihre Daten mit überwältigender Mehrheit freigeben. Rund 80 Prozent der Bürger:innen würden ihre Daten der medizinischen Forschung zur Verfügung stellen, 70 Prozent wollen die von ihnen gesammelten Daten in die elektronische Patientenakte einfließen sehen oder ihrer Krankenkasse zukommen lassen. Sie erwarten sich dadurch bessere, da auf sie persönlich abgestimmte Verhaltensempfehlungen. Selbst Gendaten würde die Hälfte der Bevölkerung für die Forschung zur Verfügung stellen.

5000 Bürger:innen wurden dazu dieses Frühjahr in einer wissenschaftlichen Studie, repräsentativ für alle Onliner (90 Prozent der Bevölkerung) befragt. Der Studieninitiator Dr. Alexander Schachinger (EPatient Analytics), unterstützt von Prof. Dr. Sylvia Thun (Charité) und Prof. Dr. Klaus Hurrelmann (Hertie School Berlin) zeichnet damit diesem Themenfeld erstmals ein Bild aus der Wirklichkeit. Dass aufgrund der seit knapp 20 Jahren verzögerten Digitalisierung des deutschen Gesundheitssystems, die Mehrheit der Vitaldaten der Bevölkerung ins Ausland wandern, erscheint als ein bedenkliches Versäumnis der Politik.

Die erste unabhängige Studie zum Verhalten der Bevölkerung gegenüber ihren Gesundheitsdaten räumt mit Fehleinschätzungen auf: Fast die Hälfte der Bevölkerung würde ihre persönlichen Gendaten der forschenden Industrie zur Verfügung stellen, ein Vertrauensbeweis, der dem bisherigen öffentlichen Eindruck diametral widerspricht.

“Es wurde Zeit der Gesundheitspolitik dieses Bild vorzuführen: Die Bürger:innen wollen ihre Gesundheitsdaten für eine bessere und somit auch sichere Medizin nutzbar machen.” so Prof. Dr. Sylvia Thun, Direktorin für E-Health am Berlin Institute of Health, Charité.

„Die Studie zeigt: Die Bevölkerung ist bei der Nutzung digitaler Angebote zur Förderung der eigenen Gesundheit sehr viel weiter als die Politik. Eine konsequente Digitalisierungsstrategie würde auf große Zustimmung stoßen. Viele warten geradezu darauf.“ so Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, Professor of Public Health an der Hertie School Berlin und neben Prof. Dr. Sylvia Thun einer der beiden wissenschaftlichen Berater:innen der Studie.

„Während die politische Diskussion noch immer rund um den Datenschutz kreist, sind die Bürger:innen längst weiter“, kommentiert E-Health Forscher Dr. Alexander Schachinger den überraschenden Befund. Das Vertrauen in Unternehmen, Kassen und Ärzte ist weit höher als bisher angenommen.

Das Smartphone ist bei den Deutschen das neue Messinstrument Nr. 1 für Gesundheitsdaten und Symptome. „Vier von fünf Bürger:innen sind Gesundheits-Tracker und vermessen ihre Gesundheit selbst.“, fasst Dr. Alexander Schachinger den Sachstand zusammen. Dies gestaltet sich vom einfachen Gewicht messen mit der Waage bis hin zum Messen von Schlafqualität, Schmerzen oder Stress mit modernen Smartwatches und Apps. „75 Prozent messen ihr Gewicht, 38 Prozent ihren Blutdruck und sogar jede vierte Person misst ihre Schlafqualität - dies mehrheitlich mit Smartphone, Smartwatch & Co.“ so Schachinger. Schon 42 Prozent der Bürger:innen messen ihre Gesundheit dabei komplett digital.

E-Health Forscher Dr. Alexander Schachinger ruft Politik und Gesundheitsberufe dazu auf, nach knapp 30 Jahren nach dem Start des Internets jetzt die Bürger:innen dabei zu unterstützen. Mehr als jede 2. Person weiß im Grunde nicht, wie sie mit den Messergebnissen umgehen soll. Gesundheitswissen ist, so Dr. Schachinger nach ersten Detailanalysen, stark bildungsabhängig. Der Forscher appelliert an Ärzte und Krankenkassen, diesen Wunsch nach Beratung und Begleitung aufzugreifen.

Methodik: Über das unabhängige Marktforschungspanel von Kantar Deutschland wurden im März 2022 5000 Bürger:innen befragt deren permanenter Wohnsitz in Deutschland ist und deutsch sprechen. Die Struktur der Teilnehmer:innen ist dabei repräsentativ an die reale Sozialstruktur aller Onliner angelehnt (90 Prozent der Bevölkerung*).

* Struktur der Befragungsteilnehmer auf Basis der realen Bevölkerungsstruktur für: Alter, Geschlecht, Bildung, Berufsgruppe, Lebensphase, Ortsgröße, Bundesland, Einkommen, Haushaltsgröße.

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