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Studie: Migräne-App wirkt

21.08.2018 16:26
Eine aktuelle Studie der Schmerzklinik Kiel und der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt: Bei Einsatz einer Migräne-App lassen sich Schmerztage reduzieren. So leiden die Nutzer einer solchen App der TK im Schnitt rund drei Tage im Monat weniger an Kopfschmerzen als ohne Nutzung der App.

"Die Studie zeigt deutlich, dass die Patienten von der Begleitung ihrer Behandlung mit der Migräne-App profitieren. Sie haben weniger Kopfschmerztage pro Monat, und auch die Notwendigkeit für die Einnahme von Akutmedikamenten gegen Kopfschmerzen nimmt ab", fasst Prof. Dr. Hartmut Göbel, ärztlicher Direktor der Schmerzklinik Kiel, die Studienergebnisse zusammen. Zum Vergleich: Die meisten vorbeugenden Kopfschmerzpräparate reduzieren die Anzahl der Kopfschmerztage im Mittel um ein bis zwei Tage pro Monat. Der Vorstandsvorsitzende der TK, Dr. Jens Baas, sagt: "Die Migräne-App zeigt, dass gut gemachte digitale Angebote in der Gesundheitsversorgung wirklich etwas bringen." Die App habe einen spürbaren Mehrwert für den Patienten.

5,3 Millionen weniger Kopfschmerztage pro Jahr

"Hochgerechnet auf alle Nutzer der App, lässt sich bei aktuell 136.000 Downloads die Reduktion der Kopfschmerztage auf 5,3 Millionen Tage pro Jahr beziffern", so Schmerzexperte Göbel. Die Untersuchung belege auch, dass die App die ärztliche Behandlung unterstütze und die digitale Medizin in der modernen ärztlichen Sprechstunde angekommen sei. Sieben von zehn befragten Nutzern (71 Prozent) bringen die Migräne-App zum Arztbesuch mit. 58 Prozent nutzen die App-Ergebnisse, um gemeinsam mit ihrem Arzt über die Therapie zu entscheiden, insbesondere um die Medikation anzupassen. 76 Prozent sagen, dass die App ihnen dabei hilft, ihren mit dem Arzt erstellten Behandlungsplan einzuhalten. Zudem ziehen 80 Prozent die App-Lösung einem herkömmlichen Schmerztagebuch auf Papier vor.

Innovatives Instrument für den informierten Patienten

TK-Chef Baas: "Die Migräne-App ist ein effizientes Instrument für ein wirksames Selbstmanagement. Die Studie zeigt uns, dass es sich lohnt, auf die Chancen der Digitalisierung zu setzen und sie aktiv zu gestalten." In einem nächsten Schritt soll die App wie alle anderen Online-Angebote der TK mit der elektronischen Gesundheitsakte "TK-Safe" verknüpft werden. Darüber könne der Patient dem Arzt seine Daten, wenn er es möchte, direkt zur Verfügung stellen. Über die Akte könnten dann auch die Analysen und Verlaufskontrollen der App zu einer verbesserten Versorgung beitragen.

Bislang nur wenige Health-Apps evaluiert

Baas: "Einerseits boomt der Markt der Health-Apps, hunderttausende Apps stehen in den digitalen Stores bereit. Bei den meisten sind jedoch weder Nutzen noch Effizienz belegt. Im Gegensatz zu vielen anderen sind Gesundheits-Apps aber kein Spielzeug. Wir brauchen deshalb dringend eine sinnvolle Risikoklassifizierung."  Ein Modell für eine solche Klassifizierung hat das IGES-Institut im Auftrag der TK bereits 2016 erarbeitet. Damit Versicherte frühzeitig von innovativen Digitalprodukten profitieren können, seien befristete Zulassungen nötig, so Baas. In diesem Zeitraum müssten Hersteller dann den definitiven Nutzennachweis erbringen.

Digitale Orientierung: Migräne-Aura oder Schlaganfall?

Seit dem Frühjahr enthält die Migräne-App zudem die Simulation einer Migräne-Aura. Sie zeigt wie visuelle Störungen bei Migräne-Attacken aussehen. Das sei wichtig, da die Symptome häufig mit denen eines Schlaganfalls verwechselt würden, erläutert Neurologe Göbel. Die Nutzer wissen das zu schätzen: 40 Prozent der Befragten lobten, dass sie damit erstmals anderen verständlich machen können, wie sich das Sichtfeld bei einer Migräne-Aura einschränkt.

1.464 aktive Nutzer derTK-Migräne-App wurden online für die Studie befragt. Durchschnittlich benutzten die Befragten rund 13 Monate die App und litten durchschnittlich seit 27 Jahren an Kopfschmerzen.

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