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TK startet Pilotprojekt zur Fernbehandlung per Videotelefonie

06.11.2019 13:23
Als erste Kasse startet die Techniker Krankenkasse (TK) ein vollständig digitales Pilotprojekt zur Fernbehandlung von Versicherten per Videotelefonie. Die Technik für das Projekt läuft derzeit mit einem kleinen Teilnehmerkreis stabil. Ab Dezember können sich rund 14.000 TK-Mitarbeiter vom heimischen Krankenbett aus über eine Video-App ärztlich behandeln lassen.

Die Ärzte können laut Krankenkasse im Gespräch mit den Teilnehmern und anhand der übertragenen Bilder die Symptome überprüfen und ihnen aus der Ferne eine elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen sowie ein Medikament verordnen. Die Krankschreibung werde dabei elektronisch direkt an die TK als Krankenkasse und Arbeitgeber übertragen. Das Rezept für das Arzneimittel könnten die Teilnehmer mit ihrem Smartphone abrufen und auf Wunsch bei einer Hamburger Apotheke elektronisch einlösen. Die Einbindung weiterer Apotheken sei geplant.

Dr. Jens Baas, Vorsitzender des TK-Vorstands: "Mit dem Pilotprojekt bilden wir erstmals eine komplette Behandlungskette von der Diagnose über die Krankschreibung bis hin zur Medikamentenbestellung in einem durchgängig digitalen Prozess ab. Mit dem Projekt sammeln wir erste Erfahrungen in der Fernbehandlung und zeigen, wie stark die Digitalisierung im Gesundheitswesen das Leben für Patienten, Ärzte und Apotheker erleichtern kann." Die Versorgung werde sich in den kommenden Jahren erheblich verändern.

Entscheide der Arzt, dass eine Diagnose aus der Ferne zu unsicher sei oder für eine weitere Abklärung eine persönliche Vorstellung bei einem Arzt notwendig, könne das Ärztezentrum auch Termine bei Vertragsärzten in der Nähe des Versicherten vereinbaren.

Für das Projekt hat die TK einen Vertrag mit dem Telearztzentrum der IFE-Gesundheits GmbH im schleswig-holsteinischen Nehmten geschlossen. Die Behandlung erfolge ausschließlich durch niedergelassene Ärzte. Das Projekt ist zu Beginn begrenzt auf sieben Krankheitsbilder – darunter Magen-Darm-Infekte, grippale Infekte, Rückenschmerzen und Migräne.

Stelle der Arzt eine der sieben Diagnosen fest, könne er per Knopfdruck eine elektronische Arbeitsunfähigkeitserklärung (eAU) für den Versicherten ausstellen. Bisher mussten Ärzte drei Exemplare des sogenannten gelben Scheins ausdrucken, von denen der Versicherte dann per Post ein Exemplar an den Arbeitgeber und eines an die Krankenkasse schickte. Bei dem Pilotprojekt seien die Abläufe voll digitalisiert. Arbeitgeber und die TK würden per Knopfdruck vollautomatisch über die Krankschreibung informiert.

Verschreibt der Arzt ein Medikament, könne der Versicherte es ebenfalls von zu Hause aus in der Apotheke einlösen. Per App erhalte er einen QR-Code auf sein Smartphone, der direkt an die Apotheke übermittelt werden könne. Zum Start werde dies die Privilegierte Adler Apotheke in Hamburg-Wandsbek sein. Der Versicherte könne wählen, ob die Apotheke das Arzneimittel im Großraum Hamburg ausliefern soll oder ob er es sich vor Ort abholt. Der Übertragungsweg ist Ende-zu-Ende verschlüsselt und die Rezeptdaten lägen bis zum Abruf in der Apotheke dezentral in der Arztpraxis.

Hintergrund:
Die TK testet das elektronische Rezept bereits seit Anfang des Jahres in Hamburg-Wandsbek. Mit dabei sind mittlerweile zwei Apotheken, das Diabetes Zentrum Wandsbek und die Krankenkasse HEK. "Unsere Projektpartner berichten von sehr positiven Erfahrungen mit dem E-Rezept", sagt Ballast. "Es sorgt für schnellere und bequemere Abläufe. In Verbindung mit der Fernbehandlung gehen wir nun den nächsten Schritt in die digitale Zukunft." Das TK-Projekt der Fernbehandlung inklusive E-Rezept und eAU ist offen für einen Ausbau für TK-Versicherte bei weiteren Arbeitgebern. "Die Unternehmen müssen hierzu unter anderem in ihrer Personalverwaltungs-Software eine sichere Schnittstelle für den Anschluss an das Projekt schaffen", so Ballast.

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