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Whitepaper Digitalisierung: „Patienten und Vor-Ort-Apotheken können von der Digitalisierung gleichermaßen profitieren“

04.11.2019 15:03
Die voranschreitende Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens wird flankiert von einer Reihe von Gesetzesvorhaben. Damit alle – vor allem die Patienten – von den Chancen der Digitalisierung profitieren, fordert Gehe den Gesetzgeber in einem Whitepaper zum Thema Digitalisierung auf, sechs zentrale Forderungen für den Apothekenmarkt umzusetzen.

„Die voranschreitende Digitalisierung des Gesundheitswesens hält enorme Chancen bereit. Damit davon Patienten und Vor-Ort-Apotheken gleichermaßen profitieren, fordern wir die Politik auf, sechs zentrale Forderungen umzusetzen. Dazu zählen die freie Apothekenwahl beim eRezept, die Interoperabilität der Systeme, ein angemessener Datenschutz, einheitliche Bedingungen bei der Arzneimitteldistribution, die Anpassung der pharmazeutischen Ausbildungsinhalte sowie ein schnellerer Breitbandausbau“, so der Vorsitzende der Gehe-Geschäftsführung, Dr. Peter Schreiner.

Nächstes Jahr wird mit der Einführung des eRezepts ein großer Schritt in Richtung der Digitalisierung im Apothekenmarkt gegangen. Gehe begrüßt die Einführung des eRezepts ausdrücklich. Dennoch bedarf es gesetzlicher Regelungen, damit der Patient auch weiterhin selbst entscheiden kann, wo und wie er sein eRezept nach Erhalt der Verschreibung einlöst. Um eine Kommerzialisierung des eRezepts zu vermeiden, müssen Patienten jederzeit die Wahlfreiheit haben, zu welchem Arzt sie gehen und in welcher Apotheke sie ihr eRezept einlösen wollen. „Jedwede Versuche einer Steuerung des Patienten oder des elektronischen Rezeptes vonseiten einzelner Leistungserbringer und/oder -träger müssen auch für das eRezept gesetzlich unterbunden werden“, so Peter Schreiner. „Nur so kann sichergestellt werden, dass nicht auf Kosten der Wahlfreiheit Geschäftsmodelle entwickelt werden, mit denen Patienten zu bestimmten Leistungserbringern gelenkt oder Rezepte gesteuert werden.“

Die in der Vergangenheit erfolgte Konzentration beim Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien auf einzelne Einheiten oder Sektoren hat zu einer Vielzahl von Systemen geführt, die nicht oder nur unzureichend miteinander vernetzt sind. Dies hat zur Folge, dass in Arztpraxen, Krankenhäusern und Apotheken vorliegende Informationen an anderer Stelle – wenn überhaupt – nur mit erheblichen Aufwänden elektronisch übermittelt und weiterverarbeitet werden können. Peter Schreiner dazu: „Um beim eRezept Insellösungen zu verhindern, muss gesetzlich sichergestellt werden, dass marktoffene Modelle mit standardisierten Übertragungswegen und offenen Schnittstellen geschaffen werden. Benötigt werden interoperable Lösungen. Dies muss durch klare Vorgaben der gematik geregelt werden.“ Die gematik muss dabei die Zulassung der Komponenten und Dienste im Rahmen der Telematikinfrastruktur übernehmen. Ziel muss es sein, dass standardisierte Schnittstellen definiert werden, und zertifizierte bzw. zugelassene Endnutzerlösungen im freien und offenen Wettbewerb größtmöglichen Nutzen für den Patienten stiften.

Innovative Technologien im Gesundheitswesen bedeuten neben den vielen Vorteilen, dass sensible Daten für immer mehr Akteure sichtbar werden können. Peter Schreiner fordert daher: „Der Patient muss eigenständig entscheiden dürfen, welche persönlichen Gesundheitsdaten er wem, wie lange und in welchem Umfang zur Verfügung stellt. Wenn datenschutzrechtliche Bedenken in unverhältnismäßiger Art und Weise dem gesundheitlichen Wohl der Patienten entgegenstehen, sind neue Regelungen erforderlich.“ Denn: Durch vernetzte Bereitstellung von Patienten- und Behandlungsinformationen kann die Patientensicherheit erhöht und Fehler vermieden, Mehrfachuntersuchungen bzw. Fehlbehandlung verhindert oder Wechselwirkungen von Arzneimitteln vorgebeugt werden. Dabei ist immer vorausgesetzt, dass der Patient aktiv in den Datenzugriff eingewilligt hat.

Im Zeitalter der Digitalisierung haben sich viele Menschen daran gewöhnt, dass sie ihre im Internet bestellten Waren nach Hause geliefert bekommen. Dass die Apothekenbetriebsordnung vom Gesetzgeber kürzlich angepasst wurde, indem der Botendienst zur Regelleistung aufgewertet wurde und einheitliche Bedingungen bei Temperaturanforderungen bei der Lieferung von Arzneimitteln gelten, ist im Sinne der Patienten und der Vor-Ort-Apotheken. Dabei muss sichergestellt werden, dass für alle Vertriebsstufen, die Arzneimittel distribuieren, sowohl die gleichen regulatorischen als auch vollzugsrechtlichen Maßstäbe gelten.

Die Digitalisierung verändert die Rollen der Gesundheitsakteure – auch die der Apotheker und deren Teams. Um adäquat auf die neuen Informationstechnologien im Gesundheits- und Apothekenwesen vorbereitet zu werden, müssen bereits während der Ausbildung bzw. des Studiums die Grundlagen hierfür vermittelt werden. Der Gesetzgeber muss daher regeln, dass die Lehrpläne innerhalb der Approbationsordnung für die Ausbildung von Apothekern, die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (APrVPTA) für pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) und die Berufsbildungsordnung für pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte (PKA) dementsprechend angepasst und in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden.

E-Health-Anwendungen und deren flächendeckender Einsatz sind auf eine entsprechend leistungsfähige digitale Infrastruktur zur Datenübertragung angewiesen. Von der Bestellung der Arzneimittel beim Hersteller oder von Apotheken bei Gehe, der Arzneimittelüberprüfung im Rahmen von securPharm, der Verwaltung der Lagerbestände bis zur Distribution der Medikamente: Für all diese Prozesse werden innerhalb von Sekunden zum Teil große Datenmengen verarbeitet und versendet, wofür eine leistungsstarke Internet-Verbindung zwingend erforderlich ist. Der Gesetzgeber muss daher regeln, dass der flächendeckende Breitbandausbau bereits vor 2025 erfolgt. Glasfaserleitungen sowie der zukünftige mobile Standard 5G müssen in Deutschland bundesweit Standard werden.

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