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„Wir streben nach übergreifendem Denken und Handeln“

02.11.2020 11:55
Der Wort & Bild Verlag und Noventi Health beteiligen sich an einem Venture Capital Fonds mit Fokus auf Investitionen in digitale Gesundheitslösungen. Der 60 Millionen Euro umfassende Fonds richtet sich an junge Unternehmen mit innovativen, digitalen Geschäftsmodellen, um den Gesundheitssektor im Allgemeinen und die Apotheke vor Ort im Besonderen zu stärken. Wichtige Ziele des Fonds seien „das Bauen von Brücken und der nachhaltige Know-how-Transfer“, denn die Corona-Krise habe der Gesundheitsbranche einmal mehr vor Augen geführt, wie wichtig digitale Lösungen sind. „Pharma Relations“ sprach mit Andreas Arntzen (Wort & Bild Verlag) und Dr. Hermann Sommer (Noventi Health) über dieses Engagement.

>> Herr Arntzen, Herr Dr. Sommer, könnten Sie für Ihre beiden Unternehmen erläutern, worin die Gründe dafür bestehen, sich an einem Digital Health Fonds zu beteiligen?
Andreas Arntzen: Wichtig für uns, den Wort & Bild Verlag, sind bei diesem Engagement das Bauen von Brücken und der nachhaltige Know-how-Transfer. Durch das Engagement möchten wir die sich schnell verändernde Landschaft der Gesundheitsbranche aktiv mitgestalten, zur digitalen Transformation im Sinne und Interesse der stationären Apotheker beitragen. Die jungen Startups sollen befähigt werden, noch mehr Service und Unterstützung für die Apotheken vor Ort anbieten zu können. Der 60 Millionen Euro umfassende Fonds, den wir mit Dieter von Holtzbrinck Ventures auflegen, richtet sich an junge Unternehmen mit innovativen, digitalen Geschäftsmodellen, um den Gesundheitssektor im Allgemeinen und die Apotheke vor Ort im Besonderen zu stärken. Damit deckt sich der Ansatz des Digital Health Fonds mit den Zielen, die wir als langjährige Partner der Apotheken verfolgen.

Was sind Ihre Gründe als Vorstandsvorsitzender von Noventi, Herr Dr. Sommer?
Dr. Hermann Sommer: Als Deutschlands größte Apotheken-Warenwirtschaft und Europas größtes Abrechnungsunternehmen im Gesundheitsbereich gestaltet Noventi die Zukunft des deutschen Gesundheitssystems maßgeblich mit. Die Digitalisierung des Gesundheitssystems ist das zentrale Zukunftsthema derzeit und hat deshalb für uns oberste Priorität. Nach der Gründung von Deutschlands erster zentraler Gesundheitsplattform in Kooperation mit anderen starken Playern wie Phoenix und dem Wort & Bild Verlag ist die Beteiligung an einem Digital Health Fonds als Investition in die Zukunft des Gesundheitsmarktes für uns ein weiterer logischer Schritt.

Welche Rolle spielt die Corona-Pandemie und die damit einhergehende Beschleunigung der Digitalisierung bei Ihrer Entscheidung, einen solchen Fonds aufzulegen?
Arntzen: Die Corona-Krise hat der Gesundheitsbranche einmal mehr vor Augen geführt, wie wichtig digitale Lösungen sind. Wir brauchen Innovationen, die sowohl den stationären Apotheken als auch deren Kunden nutzen. Wir können den Trend der Digitalisierung nicht aufhalten, aber wir können ihn mitgestalten und versuchen, ihn im Sinne der Apotheke vor Ort zu nutzen. Deshalb engagiert sich unsere Verlagsgruppe im neuen Digital Health Fonds mit seinem Fokus auf Investitionen in digitale Gesundheitslösungen. Die Entscheidung einen solchen Fonds aufzulegen, ist allerdings bereits im vergangenen Jahr, also vor Ausbruch der Pandemie, entstanden. Daher bin ich natürlich sehr froh, dass wir den Fonds trotz Corona erfolgreich starten konnten.
Dr. Sommer: Die Covid-19-Pandemie zeigt uns mit aller Deutlichkeit, welche Bedeutung die digitale Transformation für die Erhaltung der Qualität des deutschen Gesundheitssystems hat. Patientinnen und Patienten suchen vermehrt nach Möglichkeiten, sich beim Thema Gesundheitsprävention – Stichwort Self Care – aktiv einzubringen und sich mit ihren Dienstleistern vor Ort digital zu vernetzen. Diesem wachsenden Bedürfnis müssen wir Sorge tragen. Startups bringen hier die nötige Agilität und das entscheidende „Querdenken“ mit, um dem Gesundheitsmarkt Impulse zu geben und ihn innovativ weiterzuentwickeln. Dafür benötigen junge Entrepreneure allerdings meist die finanzielle Unterstützung großer Player wie Noventi. Unser Interesse als Mitgestalter des Gesundheitswesens liegt darin, diesen Startups Türen zu öffnen und eine Bühne zu bereiten.

Welche Anforderungen gelten für Startups, die sich um Unterstützung durch den Fonds bemühen wollen? Anhand welcher Kriterien wird entschieden, ob eine Geschäftsidee förderungswürdig ist? Und über was für einen Zeitraum kann ein Startup unterstützt werden, bis es profitabel sein muss?
Arntzen: Die große Klammer ist sicherlich der gesamte Gesundheitssektor. Ein weiteres Kriterium ist, dass die Ideen für die stationäre Apotheke perspektivisch einen Mehrwert bieten können. Ist dies gewährleistet und die jeweilige Idee bzw. das Konzept erscheint interessant, so entscheidet in erster Linie der Eindruck der Gründer über ein Engagement.
Dr. Sommer: Der Fonds richtet sich an junge Unternehmen, die uns mit ihren digitalen Ideen und Geschäftsmodellen überzeugen. Für Noventi ist es wichtig, dass die Innovationen darauf abzielen, nicht nur das Gesundheitssystem im Allgemeinen, sondern auch die Apotheken vor Ort zu stärken. Als apothekereigenes Unternehmen sehen wir eine unserer wichtigsten Aufgaben darin, die niedergelassenen Offizinen in der digitalen Transformation zu begleiten und zu unterstützen.

Noventi wie auch der Wort & Bild Verlag haben eine besondere Bindung zu den Vor-Ort-Apotheken. In welchen Bereichen haben die Apotheken aus Ihrer Sicht den größten Bedarf an digitalen Innovationen? Welche Themen müssen am dringendsten angegangen werden?
Arntzen: Die Apotheke vor Ort muss gestärkt werden. Am besten gelingt das, indem die Annehmlichkeiten des Bestellwesens mit den bestehenden Stärken, der Beratungskompetenz und dem persönlichen Kontakt verbunden werden. Wir beschränken unser Engagement nicht auf einzelne Arbeitsschritte, sondern streben nach übergreifendem Denken und Handeln. Was hilft dem Kunden? Was bindet Kunden? Welche Abläufe in der Apotheke können durch Innovationen vereinfacht werden?

Sind die stationären Apotheken denn in Sachen Digitalisierung tatsächlich so rückständig, wie es in der Öffentlichkeit manchmal erscheint?
Dr. Sommer: Meiner Meinung nach müssen sich die Apotheken vor Ort beim Thema Digitalisierung nicht verstecken. Sie sind in diesem Bereich weiter fortgeschritten, als es in der Öffentlichkeit häufig wahrgenommen wird. Die Einführung des elektronischen Rezeptes, die von Noventi maßgeblich mitgestaltet wird, forciert diesen Wandel noch einmal deutlich. Entscheidend ist aus unserer Sicht, dass die Apotheken vor Ort nicht nur weiterhin die Digitalisierung voranbringen, sondern dabei auch neue Möglichkeiten finden, ihre analogen Stärken wie die fachkundige Beratung der Patienten weiterzuentwickeln.

Müssen sich die Geschäftsideen, die durch den Fonds unterstützt werden, zwangsläufig auf den Apothekenmarkt beziehen? Oder anders gefragt: Gibt es Themenbereiche, die für eine Förderung grundsätzlich nicht in Frage kommen?
Arntzen: Wir suchen in erster Linie nach innovativen digitalen Lösungen für den Apothekenmarkt, haben aber darüber hinaus den gesamten Gesundheitsmarkt im Blick. Eines ist aber jedenfalls ganz klar: Wir schließen alle Betätigungsfelder aus, die zum Nachteil der Apotheken wären.
Dr. Sommer: Als apothekereigenes Unternehmen richten wir bei Noventi unser Augenmerk selbstverständlich auf den Apothekenmarkt.

Welche anderen Betätigungsfelder neben dem Apothekenmarkt könnten denn in Frage kommen?
Dr. Sommer: Neben den Vor-Ort-Apotheken zählt auch die Unterstützung anderer Leistungserbringer – Ärzte und weitere Heilberufler, Pflegedienste oder auch der Sanitätshandel – mit Branchensoftware sowie Dienstleistungen zu den Geschäftsfeldern von Noventi. Ebenso sind auch Software- und App-Entwicklungen, die den Bürgerinnen und Bürgern einen gesundheitlichen Mehrwert bieten, für uns von großem Interesse. Wir hoffen, gerade auch in diesen Bereichen Startups zu finden, die uns mit spannenden Ideen überzeugen können.
Arntzen: Für uns sind zum Beispiel auch Investitionen in ein Unternehmen, das eine KI-basierte Tourenoptimierung ermöglicht, denkbar. Wenn diese Potenzial zur Anwendung im Apothekenmarkt hätte, könnten wir uns auch in einem solchen Fall ein Engagement vorstellen.

Der Digital Health Fonds unterstützt junge Unternehmen zunächst einmal mit Kapital. In welchen anderen Formen können Ihre beiden Unternehmen die Startups unterstützen, um zu deren Erfolg beizutragen?
Arntzen: Zusätzlich zum Kapital können wir den jungen Startups des Digital Health Fonds unsere Branchenexpertise und gegebenenfalls Inhalte, Kontakte und Media beisteuern. Wir wollen mit ihnen unsere eigenen Erfahrungen beim Aufbau erfolgreicher Startups austauschen und Verknüpfungen mit unseren starken Netzwerken schaffen. Und wir bieten ihnen auch einen exklusiven Zugang zu unseren auflagen- und reichweitenstarken Medienmarken wie „Apotheken Umschau“, „Senioren Ratgeber“, „Digital Ratgeber“ und „Baby und Familie“.
Dr. Sommer: Als Marktführer im Gesundheitsmarkt unterstützen wir vielversprechende Gründerinnen und Gründer nicht nur finanziell, sondern ermöglichen ihnen auch den Zugang zu spannenden Marken und einem inhaltlich vielfältigen und reich verzweigten unternehmerischen Netzwerk.
Arntzen: Wir möchten den Startups als erfahrener Sparring-Partner helfen, ihre Ideen zu testen und an ihrer Marktreife zu feilen. Und dabei können auch wir selbst wieder lernen und Neues ausprobieren.

Herr Dr. Sommer, Herr Arntzen, vielen Dank für das Gespräch. <<

Ausgabe 11 / 2020

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