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„Wir brauchen einen ,Big Bang‘“

05.10.2021 18:05
Die Konzentration auf ein Objekt“ – so lautet im Digitalen Wörterbuch der Deutschen Sprache (DWDS) die erste Bedeutungsbeschreibung für den Begriff „Aufmerksamkeit“. Man kann sie schenken, verweigern, fordern oder sich erarbeiten. Dass letztgenanntes funktioniert, aber auch harte Arbeit ist, zeigen Kampagnen, die in der Pharma- und Healthcarebranche ihre Veröffentlichung finden. Wir präsentieren anhand aktueller Beispiele, wie man Awareness-Kampagnen erfolgreich umsetzen kann. Und immer häufiger kommen dabei Influencer ins Spiel.

>> „Die 23-jährige Clara zeigt uns, wie ihr Alltag mit Neurodermitis aussieht, welche Themen sie bewegen und welche Herausforderungen sie zu meistern hat. Der offene Umgang soll Betroffenen, Angehörigen und Interessierten Mut machen und dazu anregen, sich aktiv auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen“, erklärt Ines Verena Eggert, Head of Public Affairs Immuno-Dermatology bei Sanofi Genzyme.
Dazu kommt das Unternehmen mit dem „Takeover“ in einem innovativen Format daher: Interessierte und Betroffene konnten auf dem Instagram-Kanal vom 20. September bis zum 3. Oktober mit #ClaraHautnah ein bunt gemischtes Programm erleben. Neben Fakten zur Erkrankung, zeigte Clara, wie sie Hobbies, Sport, Ernährung und vieles mehr mit ihrer Erkrankung meistert.

Interaktiver Austausch

Vor allem tauschte sie sich über das Instagram TV Format (IGTV) mit vielen Gesprächspartner:innen rund um das Thema Neurodermitis aus. Unter anderem sprach sie mit der Vorständin der Patientenorganisation Netzwerk Autoimmunerkrankter (NIK) e.V., einer Familien-Influencerin, einem Dermatologen sowie einem Bundestagsabgeordneten. Auch probierte Clara sich das erste Mal an einer Plattform für Telemedizin aus. „Mit dem Takeover legen wir den Kanal in Claras Hände und geben so Betroffenen eine direkte Stimme. Die Initiative ergreift dadurch die Möglichkeit, in der Öffentlichkeit ein breiteres Bewusstsein für Neurodermitis zu schaffen, das stützen wir nachhaltig auch durch weiterführende Medienarbeit“, so Telse Friccius, Director BU Communications bei Sanofi Genzyme.

Der Instagram-Kanal @leben-mit-neurodermitis.info bietet seit einem guten halben Jahr viele Informationen und Tipps rund um die Erkrankung. „Es hat sich bereits eine Community gebildet, die in regem Austausch miteinander steht und in letzter Zeit stetig gewachsen ist“, freut sich Friccius. Der Austausch soll zur gegenseitigen Reflexion anregen und könne in eine Aufforderung zum Handeln – „Call to action“ – münden. Dadurch, dass Clara für einen Zeitraum von 2 Wochen auf dem Instagram-Kanal aktiv und die Aktion damit limitiert war, erhielt sie Exklusivität und besondere Aufmerksamkeit.

Sich in Bewegung setzen

Die zweite Definition von Aufmerksamkeit im DWDS lautet „aufmerksames, zuvorkommendes Verhalten, kleine Gefälligkeit“ –  und so hat die Kampagne #sportVEREINtuns nicht nur Aufklärung über Bewegungsmangel im Gepäck, sondern auch ein breites Portfolio an Material für interessierte Vereine. Diese können im Web-to-print-shop aus einer großen Anzahl unterschiedlicher Plakate, Postkarten und Social-Media-Posts wählen und diese individuell in unterschiedlichster Größe und Auflage gestalten und bestellen. Anleitungen und YouToube-Tutorials gibt‘s on top.

Der Deutsche Turner-Bund (DTB) ist Initiator dieser Kampagne und will die Menschen nach Corona wieder in Bewegung bringen und die 20.000 Mitgliedsvereine der Turnbewegung unterstützen. Die Menschen wieder an den Sport heranzuführen, sie dafür zu begeistern und ein lebenslanges Sporttreiben zu ermöglichen, sei das Hauptanliegen der Vereine in Deutschland.

Unter Einbeziehung der Kampagne #sportVEREINtuns des Niedersächsischen Turner-Bundes wurde auf Initiative des DTB ein Bewegungspakt geschlossen. Dieser beinhaltet unter anderem, dass die Kampagne #sportVEREINtuns nun für alle Turn- und Sportvereine nutzbar ist. „Ich appelliere an die Vereine des DTB, das Angebot zu nutzen und sich der Kampagne #sportVEREINtuns anzuschließen. An die Menschen appelliere ich, sich wieder dem Sport in einem Verein in ihrer Nähe zuzuwenden“, DTB-Präsident Dr. Alfons Hölzl. Wer seinen Social-Media-Post dann mit dem Hashtag #sportVEREINtuns versieht, erscheint zudem auf der Social-Wall. So erlangen Verein und Kampagne nochmal mehr Sichtbarkeit.

„Wir brauchen einen ,Big Bang‘“

Ganz aktuell macht mit einer Kampagne auch die Initiative „Wir beleben Deutschland wieder“ auf sich aufmerksam. Das Ziel: die bundesweit verpflichtende Einführung von Unterricht in Wiederbelebung. Die Kampagne #ichrettedeinleben begleitet eine Petition, die bereits in den ersten 24 Stunden – Start war am 16. September – laut Initiatoren für mehr als 25.000 Unterschriften sorgte. „Wir gehen viral – und damit meine ich jetzt endlich mal nicht Covid!“, jubelte Dr. Carola Holzner, Notärztin aus Duisburg und erfahrene Influenzerin „Doc Caro“ in den Sozialen Netzwerken. Gemeinsam mit Professor Bernd Böttiger, dem Vorsitzenden des Deutschen Rates für Wiederbelebung (GRC), startete sie die Kampagne. Wie kam das Duo zu dieser Aktion?

„Die Idee kam mir bei einer Sendung zur Wahl. Ich dachte, wir müssen nun endlich auch in Deutschland den Wiederbelebungsunterricht für Schülerinnen und Schüler verpflichtend umsetzen“, erklärt Böttiger. Viele andere Länder machten das schon lange. Es gäbe keine einfachere Maßnahme, viele Menschenleben zusätzlich zu retten. „Der plötzliche Herz-Kreislauf-Stillstand ist bei uns die dritthäufigste Todesursache“, erklärt der Professor, „und es ist kinderleicht, hieran etwas zu ändern. Wir sagen dass seit mehr als 10 Jahren. Alle finden das meistens sehr gut, und auch der Schulausschuss der Kultusministerkonferenz und sogar die WHO unterstützen uns. Und es passiert bei uns bisher nichts Nachhaltiges. Ich dachte mir, jetzt brauchen wir einen ,Big Bang‘, der Zeitpunkt ist ideal, und das geht vielleicht mit Influencern und einer konzentierten Aktion“.

How to ... – professionelle Unterstützung bei der Umsetzung

Er habe dann einfach ganz spontan Frau Dr. Holzner – Doc Caro – angesprochen, die sofort begeistert war und man habe sich gleich am nächsten Tag mit der Presseagentur verabredet. Danach sei alles klar gewesen. Man wollte alle interessierten Verbände und Vereine einladen, sofort eine Petition starten und eine gut sichtbare bundesweite Kampagne sowie eine Plakataktion für die Bevölkerung nach den Wahlen initiieren. So ist es auch gekommen. Dr. Holzner: „Wir haben dann in recht kurzer Zeit, in knapp zwei Wochen, die Idee in Taten umgesetzt.“

Bei Böttiger nachgefragt, ob die beiden das Projekt mit professioneller Unterstützung angegangen sind, berichtet selbiger, dass, um die beste Strategie für das Erreichen der gesteckten Ziele zu entwickeln, er die langjährigen Kommunikationsprofis der DIVI (Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e. V., Anm. der Redaktion) auch hier mit ins Boot geholt habe. Die Münchner Agentur medXmedia rund um DIVI-Pressesprecherin Nina Meckel hatte die Idee mit einer Petition über die Plattform OpenPetition und unterstützt bei Pressearbeit und der für den Oktober geplanten Plakatkampagne sowie der Ansprache von Politikerinnen und Politikern.

Mit der Kampagne und dem Aufruf zur Unterzeichnung der Petition sensibilisieren die Akteure primär die Gesellschaft, die das Thema dann auf die politische Ebene heben soll. Aber tritt das Bündnis auch direkt an politische Entscheidungsträger heran?

Die Zielgruppe wählen

„Ja“, entgegnet Holzner vehement. „Die Petition ist quasi ein Schritt dahin. Bevor wir im Oktober einzelne Politiker aus Bildungs- und Gesundheitsausschüssen in einer zweiten Welle ansprechen, wollen wir uns Unterstützung von den Bürgern holen – um zu zeigen, wie viele Menschen hinter uns stehen, welche positiven Energien hier freigesetzt werden, dass sich wirklich viele wünschen, dass Wiederbelebung zwei Stunden im Jahr in der Schule trainiert wird.“

Wenn viele Ärztinnen und Ärzte, Rettungsdienstpersonal, Lehrerinnen und Lehrer, Eltern, usw. zeigten, dass ihnen das Thema Wiederbelebung wichtig sei, hätte das Bündnis noch einmal eine ganz andere Schlagkraft mit seinem Anliegen, ergänzt Böttiger. „Die Politikerinnen und Politiker sehen dann direkt, dass unsere Forderungen auch der Wunsch vieler Wählerinnen und Wähler ist.“

„Nur Nichtstun ist falsch“– den richtigen Content vermitteln

Zwei Dinge seien wichtig: Erstens: Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute! Allein drei Minuten ohne Sauerstoff könnten das Gehirn irreparabel schädigen. Also müssten Ersthelfer unmittelbar bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen. Weil das Wissen um die einfachen Handgriffe fehle und viele Menschen glaubten, etwas falsch zu machen, stürben bei uns jährlich mehrere zehntausend Menschen.

„Dabei ist nur NICHTS TUN falsch!“, betont Holzner, „Drücken! Drücken! Drücken! Und zwar kräftig. Fünf bis sechs Zentimeter tief den Brustkorb eindrücken, genau in der Mitte zwischen den Brustwarzen. Und zwar 100 bis 120-mal pro Minute – drücken und entlasten.“ Denn bei Erwachsenen sei meist noch genügend Sauerstoff im Körper vorhanden – und der müsse dringend zum Gehirn gepumpt werden. Unverzüglich. Also müsse hier jeder, der einen Herz-Kreislauf-Stillstand beobachtet, sofort handeln. Das sei in den meisten Fällen ausreichend, bis der Notarzt komme.

Zweitens: Jeder sollte Wiederbelebungsmaßnahmen lernen und weil es kinderleicht ist, sind die Initiatoren überzeugt und fordern die bundesweit verpflichtende Einführung von Unterricht in Wiederbelebung spätestens ab der 7. Klasse. „Um dies zu erreichen, wollen wir die Forderung mit einer Petition stärken, die so viele Menschen wie möglich unterschreiben sollen.

Wie die Influencer ihre Follower zum Unterschreiben und Teilen anregen, bleibt jedem selbst überlassen. Ebenso der Kanal. Die meisten unserer Unterstützer sind auf Instagram unterwegs – hier kommen auch unsere Kampagnenbilder mit den Profis und ihren ,Schülerzwillingen‘ besonders gut zur Geltung“, meint Holzner.

Aufmerksamkeits-Hotspots schaffen

Dann könnte man ja via Social Media auch in Zukunft versuchen die junge Zielgruppe zu erreichen und zu sensibilisieren, oder? Quasi bottom up. „Bis der Unterricht in Wiederbelebung bundesweit flächendeckend eingeführt wird, lassen wir nicht locker. Im Moment ist die selektive Ansprache der Schülerinnen und Schüler für dieses spezielle Thema nicht geplant. Wir freuen uns aber natürlich über ihre Unterstützung!“, so Böttiger.

Deren Rückendeckung sei ein weiteres wichtiges Signal an die Politik. Unabhängig von #ichrettedeinleben wolle und werde die Initiative junge Menschen für die Wiederbelebung begeistern und veranstalte dafür seit Jahren Aktionen zu „Kids Save Lives“, bei denen Schülerinnen und Schüler lernen, in Notfällen richtig zu reagieren. Auch zum „World Restart a Heart Day“ jährlich am und um den 16. Oktober gebe es Social Media Aktionen – im letzten Jahr war das Thema #MySongCanSaveLives mit Künstlerinnen und Künstlern, die ihre zum Takt der Wiederbelebung passenden Lieder gepostet haben; dieses Jahr soll es #CPRSavedMyLife mit Geschichten erfolgreicher Wiederbelebungen sein. Authentisches und unterhaltsames Storytelling ist also Pflicht für erfolgreiche Kampagnen, die eins wollen: un-geteilte Aufmerksamkeit. <<

Ausgabe 10 / 2021

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