Die Zustimmung zu steuerlichen Anreizen geht dabei über die aktuell diskutierten Maßnahmen hinaus. Knapp zwei Drittel der Versicherten (64%) sprechen sich für eine Erhöhung der Steuer auch auf andere alkoholische Getränke wie Wein und Bier aus. Die Einführung einer Zuckersteuer nicht nur auf Getränke, sondern auch auf zuckerhaltige Produkte wie Süßigkeiten wird von 53 Prozent befürwortet.
"Das sind gute Nachrichten für ein Gesundheitssystem, das insgesamt mehr auf Prävention ausgerichtet werden muss", sagt Dr. Gregor-Konstantin Elbel, verantwortlicher Partner für den Bereich der Kostenträger und gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bei Deloitte. "Prävention wirkt jedoch vor allem langfristig. Um die Finanzlücke bei den Krankenkassen mittelfristig zu verringern, müssen vor allem die Leistungsausgaben nachhaltig reduziert werden."
Die Erhöhung von Patientenzuzahlungen oder die Reduzierung von Zuschüssen beim Zahnersatz sind dagegen nach Ansicht von 84 beziehungsweise 80 Prozent wenig oder gar nicht sinnvoll, um die Krankenkassenbeiträge konstant zu halten. Auch die Bereitschaft, kostenpflichtige Zusatzversicherungen abzuschließen, hat sich bei einem Großteil der Befragten (51 %) bislang nicht verändert. Offener für eine zusätzliche private Absicherung sind nach eigenen Angaben 17 Prozent; weitere 11 Prozent beabsichtigen, angesichts der Reformvorschläge vermehrt Zusatzversicherungen abzuschließen.
Gesundheitspolitik eines der wichtigsten Themenfelder
Dass die von der Expertenkommission vorgeschlagenen und von der Regierung in Teilen übernommenen Maßnahmen zu einer Stabilisierung der Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung führen, erwarten die wenigsten Versicherten (17%). Die große Mehrheit (77%) geht davon aus, dass sie kurzfristig mehr zahlen muss.
Mittelfristig erwarten sogar 84 Prozent eine weitere Erhöhung der Beiträge, vielfach ohne dafür eine bessere Leistung zu erhalten: Fast jeder Zweite (45 %) rechnet mit einer Verschlechterung der Gesundheitsversorgung in den kommenden ein bis zwei Jahren.
"Neben den notwendigen Strukturreformen ist eine konsequente Digitalisierung und Entbürokratisierung des Gesundheitssystems entscheidend", sagt Elbel. "Ansonsten droht das ohnehin schon geringe Vertrauen in eine gute Versorgung weiter zu schwinden."
Die Gesundheitspolitik hat für die gesetzlich Versicherten eine erhebliche Bedeutung: Für 41 Prozent gehört sie zu den drei wichtigsten Themenfeldern. Nur der Bereich "Soziale Sicherung, Familie, Rente" wird häufiger genannt (50%). "Wirtschaft und Arbeit" gehört für 34 Prozent zu den drei wichtigsten Themenfeldern, außen- und sicherheitspolitische Fragen für 30 Prozent.
Für die aktuelle Analyse hat Deloitte von 13. bis 16. April mehr als 900 gesetzlich Versicherte aus einer repräsentativen Gruppe von 1000 Verbraucherinnen und Verbrauchern befragt.
