Die vorgestellten einseitigen Belastungen über einen dynamisierten Herstellerabschlag und Rabattverträge für Patentarzneimittel spülten zwar vielleicht Geld in die GKV-Kassen, schwächten aber langfristig jene Industrie stark, die zu den strategischen Schlüsselbranchen gehöre und Investitionen, Innovationen und hochwertige Arbeitsplätze sichere und weiter schaffen könne.
Pharma Deutschland Hauptgeschäftsführerin Dorothee Brakmann kritisiert, dass die deutsche Pharmaindustrie einmal mehr zu zusätzlichen finanziellen Beiträgen herangezogen werden soll: „Ein Spargesetz, das neben den ohnehin schon milliardenschweren jährlichen Sparbeiträgen der Pharmaindustrie zur Sanierung der GKV zu Lasten der Hersteller weitere massive Bürden in weiterer Milliardenhöhe auf die Hersteller legt, ist dramatischer Eingriff in die Arzneimittelversorgung und eine vertane Chance für den Pharmastandort und Aufschwung Deutschlands und Europas. Statt funktionierende Sektoren zu fördern, werden sie systematisch kaputtgespart”, sagt sie.
Pharma Deutschland habe während des Pharmadialogs der letzten Monate stets signalisiert, dass die Pharmaindustrie grundsätzlich bereit ist, ihren jährlichen Sparbeitrag weiter zu leisten. Er sollte aber in das Gesamtkonzept zur Stärkung der Leitwirtschaft Pharma passen, das sowohl im Koalitionsvertrag als auch zum Start des Pharmadialogs ausdrücklich angekündigt war. Eine Pharmastrategie entfalte nur dann Wirkung, wenn sie konsequent eingebettet sei in ein Umfeld, das Forschung, Produktion und Investitionen in Deutschland stärkt – zusätzliche erhebliche Kostenlasten konterkarieren das Ziel und den wirtschaftlichen Aufschwung, gefährden die Versorgung und sind nicht mehr nachzuvollziehen. Dazu Pharma Deutschland Hauptgeschäftsführerin Dorothee Brakmann: “Wir brauchen endlich klare wirtschafts- und finanzpolitische Signale aus Kanzleramt, Wirtschafts- und Finanzministerium, dass Investitionen, Innovationen und hochwertige Arbeitsplätze in der Pharmaindustrie politisch gewollt und gezielt gestärkt werden. Wer die Branche als Partner für Versorgungssicherheit und Innovation gewinnen will, muss sich an seinen eigenen Standortversprechen messen lassen und darf nicht überzogene Sparmaßnahmen zugunsten der GKV vornehmen. Im Gegenteil: wer die Industrie nicht langfristig entlastet, verschlimmert weiter drastisch die wirtschaftliche Lage des Landes.”
Die angekündigte Dynamisierung des Herstellerabschlags bewertet der Verband als harten und fatalen Einschnitt. Anders als von Krankenkassen regelmäßig fälschlicherweise dargestellt, wirke sich der Herstellerabschlag direkt auf Geschäftsentscheidungen der Pharmaunternehmen und damit auf Markteinführungen und die Versorgungssicherheit in Deutschland negativ aus. Diese Maßnahme bremse die Innovationsfähigkeit der Pharmaindustrie in einem bisher nie gekannten Ausmaß, lässe uns weitere Präparate verlieren, für die es keinen Ersatz gibt, und mache Deutschland für langfristige Pharmainvestitionen strukturell so unattraktiv wie nie zuvor. Anders als in der Vergangenheit werde Deutschland nicht mehr der Standort sein, an dem Innovationen wie die Heilung von Hepatitis C oder einigen Krebsarten stattfinden.
Dazu Dorothee Brakmann: “Wenn Erlöse jedes Jahr nach Kassenlage nachjustiert werden, wird aus einem Hochtechnologiestandort ein Hochrisikostandort. Wer diese Mechanik einführt, schneidet Patientinnen und Patienten vom medizinischen Fortschritt und der Basisversorgung ab und muss damit rechnen, dass zusätzlich Forschungsbudgets, Arbeitsplätze, Produktionsinvestitionen und Studien zunehmend in Länder fließen, die die Investitionsbereitschaft der Unternehmen stärken, statt sie zu unterminieren. Darauf noch eine Fokusliste zu legen, die patentgeschützte Arzneimittel über Indikationen hinweg in Rabattverträgen zusammenfasst, verschiebt die Preisfindung weg von der medizinischen Evidenz hin zu reiner Rabattlogik und Versorgung nach Kassenlage bei den gesetzlichen Krankenversicherungen. Damit werden Therapievielfalt und individuelle Patientenbedürfnisse dem Sparen der Krankenkassen untergeordnet. Am Ende droht, dass nicht mehr die medizinisch beste, sondern die billigste Listenoption für die Behandlung ausgewählt wird. Die Konsequenzen daraus haben wir im generischen Bereich gesehen, nun machen wir den Fehler im patentgeschützten Bereich noch einmal.“
Alle Maßnahmen kämen additiv zu dem bestehenden Pharma Spar-Beitrag von über 30 Milliarden pro Jahr. Der dynamisierte Herstellerabschlag komme auf die bereits mit den GKV verhandelten und nutzenbewerteten Preise hinzu, darauf komme dann noch einmal ein Rabatt nach Kassenlage im Rahmen der Fokuslisten. Es erfordere “viel Fantasie“, hier die im Koalitionsvertrag vereinbarte Stärkung des Wirtschaftsstandortes zu sehe.
