Zwar möchten die Befragten in allen untersuchten Ländern mit Ausnahme Japans älter werden, als es der jeweiligen Lebenserwartung bei Geburt entspricht. Der Unterschied fällt jedoch weniger groß aus, als die öffentliche Longevity-Debatte vielleicht vermuten lässt. In Deutschland möchten die Menschen im Schnitt 85,6 Jahre alt werden, die Lebenserwartung bei Geburt lag zuletzt bei 81,4 Jahren. Am größten ist die Diskrepanz zwischen gewünschter und statistischer Lebenserwartung in den USA: Dort möchten die Menschen im Schnitt 87,9 Jahre alt werden, während die Lebenserwartung bei Geburt bei 79,3 Jahren liegt.
Auch beim eigenen Verhalten zeigt sich eine gewisse Distanz zum Longevity-Ideal. In Deutschland möchten 53 Prozent vor allem im Hier und Jetzt leben, ihr Leben genießen und sich möglichst wenig einschränken. 22 Prozent beschreiben sich dagegen als sehr diszipliniert und bereit, für ein möglichst langes und gesundes Leben auf Dinge zu verzichten. Ein ähnliches Muster zeigt sich auch in den anderen untersuchten Ländern. Überdies zieht in keiner soziodemografischen Gruppe eine Mehrheit Verzicht dem Lebensgenuss vor.
Dennoch sind viele Verhaltensweisen, die mit gesundem Altern in Verbindung gebracht werden, in Deutschland fester Bestandteil des Alltags – wenn auch vermutlich nicht ausschließlich mit dem ausdrücklichen Ziel, möglichst lange zu leben. Schon heute geben 59 Prozent der Deutschen an, regelmäßig Sport zu treiben, 65 Prozent achten auf guten Schlaf, 64 Prozent pflegen ihre sozialen Kontakte – allesamt hohe Werte im internationalen Vergleich.
Bei neueren medizinischen Longevity-Anwendungen sieht es anders aus. Epigenetische Alterstests, spezielle Longevity-Angebote sowie Zell- und Gentherapien werden bislang nur von einer kleinen Minderheit genutzt. Je nach Anwendung können sich jedoch rund 26 bis 33 Prozent der Deutschen vorstellen, sie künftig zu nutzen. In den USA ist die Offenheit größer (35 bis 44 Prozent). Länderübergreifend zeigen sich insbesondere jüngere Menschen deutlich aufgeschlossener gegenüber solchen Angeboten als ältere Generationen.
Ein Beispiel sind neuere medizinische Behandlungen wie sogenannte Abnehmspritzen: 12 Prozent der Deutschen berichten, solche Behandlungen bereits genutzt zu haben, weitere 27 Prozent können sich eine Nutzung vorstellen. In den USA liegen die entsprechenden Anteile bei 17 beziehungsweise 35 Prozent. Auch bei anderen medizinischen Longevity-Angeboten zeigt sich dort das größte aktuelle und zukünftige Potenzial.
„Diese Kombination aus Gesundheitsorientierung und Hedonismus deutet auf einen möglichen Entwicklungspfad hin: Gesundheit soll sich möglichst nahtlos in den Alltag integrieren, ohne als Einschränkung wahrgenommen zu werden. Technologische Lösungen könnten dabei künftig eine Schlüsselrolle spielen“, sagt Dr. Fabian Buder, Head of Marketing & Consumer Behavior am NIM.
Und was möchten die Menschen mit zusätzlichen gesunden Lebensjahren anstellen? Wenn die Befragten sicher davon ausgehen könnten, im Alter viele gesunde Lebensjahre zu haben, würden sie diese Zeit vor allem für Familie und Freunde, Reisen und neue Erfahrungen nutzen. Arbeit, Weiterbildung und gesellschaftliches Engagement spielen dagegen eine deutlich geringere Rolle. Im internationalen Vergleich besonders unpopulär ist längeres Arbeiten in Deutschland. Nur 9 Prozent der Deutschen würden zusätzliche gesunde Lebensjahre nutzen, um länger im Beruf zu bleiben – der niedrigste Wert unter den fünf untersuchten Ländern.
Zur Studie
Für die Studie befragte das NIM vom 13. bis 19. Mai 2026 über NIQ eBUS International insgesamt 5.000 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren. Die Stichprobe ist jeweils repräsentativ für die Wohnbevölkerung dieser Altersgruppe in Deutschland, Frankreich, Schweden, Japan und den USA. Pro Land nahmen 1.000 Personen teil.
