Fachkräftemangel und Altenversorgung größte Herausforderungen
Als größte Herausforderung für das System nennen hierzulande 69 Prozent den Mangel an medizinischem Fachpersonal und die daraus resultierenden langen Wartezeiten (inter-nationaler Durchschnitt: 67 Prozent). Im europäischen Vergleich sorgen sich die Deutschen außerdem insbesondere um die alternde Bevölkerung und chronische Erkrankungen (64 Prozent vs. 56 Prozent international), und um die wachsende Anzahl von Menschen, die mit ihrer mentalen Gesundheit zu kämpfen haben (57 Prozent vs. 53 Prozent).
KI als Motor für gesundheitliche Eigenverantwortung
Vielleicht auch als Reaktion auf die Engpässe im System übernehmen die Deutschen vermehrt selbst Verantwortung für ihre Gesundheit. 81 Prozent fühlen sich dazu befähigt, sich um die eigene Gesundheit zu kümmern und 77 Prozent nehmen Vorsorgeuntersuchungen wahr (international: 67 Prozent). Selbstmedikation gehört für fast alle Deutschen ebenso zum Alltag (94 Prozent). Dieses Verhalten ist angesichts des Pflichtbewusstseins der Deutschen vielleicht nur konsequent: 70 Prozent sind der Meinung, dass jeder selbst für die eigene Gesundheits-bildung verantwortlich ist (international: 43 Prozent), europaweit sind ihnen nur die Österreicher (71 Prozent) eine Nasenspitze voraus.
Eine Entwicklung, die diese Selbstständigkeit zumindest in Teilen beschleunigt? KI ist auch bei vielen Deutschen in Gesundheitsfragen angekommen. 81 Prozent sind offen dafür, dass KI in ihrer persönlichen Gesundheitsversorgung in Zukunft eine Rolle spielt, 47 Prozent nutzen sie bereits heute selbst zu gesundheitlichen Zwecken. Trotz dieser Offenheit liegen die Bundes-bürger hinter dem europäischen Durchschnitt (55 Prozent). Frauen nutzen KI hierzulande zwar häufiger als Männer zu Gesundheitszwecken (51 Prozent vs. 43 Prozent), vertrauen einer KI-Diagnose aber weniger (40 Prozent vs. 48 Prozent). Alterstechnisch betrachtet ist KI-Nutzung noch generationenabhängig: Von den unter 34-Jährigen nutzen 79 Prozent KI zu Gesundheits-zwecken, im Alter von 35 bis 54 schon jeder Zweite (51 Prozent), jenseits der 55 immerhin rund jeder Vierte (26 Prozent).
KI im Behandlungszimmer: Unterstützung ja, Ersatz nein
Was sind die Sorgen im Hinblick auf KI? 58 Prozent der Deutschen haben Angst vor Fehl-diagnosen, 45 Prozent fürchten den unbemerkten Missbrauch ihrer Gesundheitsdaten, 39 Prozent sorgen sich um eine wachsende Abhängigkeit von Maschinen. „KI ist bei den Europäern als Gesundheits-Tool mittlerweile in der Breite angekommen,“ erklärt STADA CEO Peter Goldschmidt. „Die Menschen in Deutschland sind ebenfalls offen für diese Entwicklung, bringen gleichzeitig an einigen Stellen aber auch eine gewisse Skepsis mit. Das ist kein Nein zur Technologie – aber die Offenheit und Technologie-Kompetenz vor allem in älteren Bevölkerungsgruppen muss weiter gestärkt werden.“
Tatsächlich ist die Offenheit dort am größten, wo KI unterstützt, statt entscheidet: 54 Prozent der Deutschen befürworten KI für die Verwaltung von Terminen und Nachsorge, 40 Prozent für die Überwachung chronischer Erkrankungen. Eine vollständige KI-Diagnose ohne ärztliche Prüfung lehnen 46 Prozent dagegen grundsätzlich ab.
Persönliche Betreuung bleibt zentraler Anker
Auch wenn die Deutschen offen für digitale Wege sind – 28 Prozent kaufen rezeptfreie Produkte am liebsten in der Online-Apotheke (international: 20 Prozent) – können diese Angebote menschliche Beratung vor Ort nicht ersetzen. 75 Prozent lassen sich bei Gesundheitsentscheidungen von ihrem Hausarzt beeinflussen (international: 77 Prozent) und 86 Prozent wollen ihren Arzt, 57 Prozent ihren Apotheker/PTA am liebsten persönlich sehen. Für die Deutschen bleiben die medizinischen Experten also elementar: Nur 19 Prozent erwarten, dass medizinisches Fachpersonal als vertrauenswürdiger Ansprechpartner in Zukunft weniger wichtig wird.
Der STADA Health Report 2026 beschreibt eine Zukunft der Gesundheit, in der aus mündigen Patienten, digitalen Tools und fachlicher Expertise ein hybrides System von Menschen für Menschen wird. „Eine zentrale Erkenntnis dieses Reports ist, dass die stetig fortschreitende Integration digitaler und KI-basierter Lösungen kein Pflaster für überlastete Systeme ist – in Kombination mit menschlichen Akteuren sind sie das System,“ fasst Peter Goldschmidt zusammen. „Auch KI-Befürworter erhoffen sich durch Technologie Unterstützung für medizinisches Fachpersonal, nicht seine Ersetzung. Die Frage, die es zu beantworten gilt: Wie können wir es gemeinsam schaffen, menschliches Wissen und Nähe mit der Geschwindigkeit und Effizienz digitaler Lösungen gewinnbringend zu verbinden, um die Versorgung aller zu verbessern?“
