Wer den Masumi Space betritt, findet keine klassische Medizin-Ausstellung vor. Die Installation führt die Besucher:innen von der sozialen Isolation hin zur medizinischen Selbstbestimmung. Zentrales Element ist der "Tunnel der Isolation": Er macht emotional nachempfindbar, wie Stigmatisierung und vorurteilsbehaftete Reaktionen den Alltag Betroffener prägen. Ziel ist es, den Fokus weg vom Image des "Lifestyle-Problems" zu rücken und Adipositas als das zu zeigen, was es ist: eine behandelbare, chronische Erkrankung.

Schluss mit dem Mythos Willenskraft

Doch die interaktive Erlebniswelt ist weit mehr als eine Dokumentation der Hürden; sie ist ein dringender Appell an Medizin und Gesellschaft - eine Forderung, die auch bei der heutigen Eröffnung im Zentrum stand. "Adipositas ist eine chronische, behandelbare Erkrankung – und dennoch erleben viele Betroffene, dass das medizinische Wissen sie im Alltag noch nicht erreicht. Diese Lücke zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und gelebter Versorgung wollen wir schließen", erklärte Dr. Alexander Horn, Geschäftsführer von Lilly Deutschland. "#gutbehandelt steht für einen respektvollen, vorurteilsfreien Umgang und für Prävention im besten Sinne: frühzeitig Orientierung und Unterstützung zu geben, damit Menschen den ersten Schritt in eine professionelle Versorgung gehen können."

Dass dieser Anspruch auf festen medizinischen Fakten beruht und nichts mit mangelnder Willenskraft zu tun hat, unterstrich Felix Berndt, als Arzt und Influencer "DocFelix" bekannt: "Adipositas ist keine reine Willensfrage – sie ist eine multifaktorielle Erkrankung. Gene, Hormone, Schlaf, Stress und sogar die Darm-Hirn-Achse beeinflussen, wie viel Hunger wir haben, wie satt wir werden und wie unser Körper Energie speichert. Und genau deshalb reicht es nicht, nur auf einen Faktor zu schauen. Ernährung und Bewegung sind keine Nebensache – sie sind die Grundlage. Aber sie wirken in einem biologischen System, das komplexer ist, als viele denken."

Dieser wissenschaftliche Blick bildet das Fundament für eine vertrauensvolle Begegnung zwischen Arzt und Patient. Stoffwechselforscher PD Dr. Tim Hollstein sieht hier eine große Chance für das Gesundheitssystem: "Eine Behandlung auf Augenhöhe beginnt bereits beim ersten Kontakt in der Praxis. Wenn wir Empathie und medizinisches Wissen zusammenbringen, nehmen wir Menschen mit Adipositas die Sorge vor Abwertung. Unser Ziel muss ein Umfeld sein, in dem sich Menschen sicher und medizinisch ernst genommen fühlen – das ist die Basis für jeden Therapieerfolg."

Eigenregie statt Schuldgefühle

Aus diesem neuen Miteinander wächst auch die Kraft für den persönlichen Aufbruch. Für die Ernährungsmedizinerin Dr. Silja Schäfer gehört dazu auch ein neuer Blick auf die Ernährung: Sie ist kein Instrument der Disziplin, sondern eine wertvolle Unterstützung bei einer chronischen Erkrankung wie Adipositas. #gutbehandelt zu sein bedeutet hier vor allem, sich selbst mit Fürsorge statt mit Strenge zu begegnen.

Das Motto der Erlebniswelt – "Mach den ersten Schritt" – ist deshalb ein klares Signal zur Selbststärkung: "Wenn die Schuldfrage durch medizinisches Wissen ersetzt wird, verändert das die gesamte Einstellung zur Therapie. Hilfe zu suchen ist dann kein Eingeständnis von Schwäche mehr, sondern ein aktiver Schritt zu mehr Lebensqualität."

 

Die Adipositas-Erlebniswelt

2. bis 8. März 2026
Masumi Space, Kurfürstendamm 229, Berlin
Täglich 14-20 Uhr, Sa 10-20 Uhr, So 10-16 Uhr
Eintritt frei