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„Mir geht das alles viel zu langsam!“

27.06.2018 16:11
Weibliche Führungskräfte der deutschen Pharma-Industrie diskutierten Mitte Juni in Berlin über Status Quo und Perspektive der Digitalisierung in ihrer Branche. Hinter der Veranstaltung stehen das Businessnetzwerk Healthcare-Frauen e.V. und der IT-Dienstleister adesso, der seinen Bereich Life Science weiter ausbaut. Moderiert wurde die Expertinnen-Runde vom Marktforschungsinstitut IFAK.

Den Kopf einziehen und erst einmal abwarten, ob die große Revolution wirklich passiert – für die Teilnehmerinnen der Veranstaltung „Digitalisierung braucht Persönlichkeit“ ist die weitverbreitete Haltung ihrer Branche1 unverständlich. Die Möglichkeiten, die sich der Industrie in Zukunft bieten werden, bedeuten große Umwälzungen, versetzen aber vor allem in Aufbruchstimmung: personalisierte Medizin, virtuelle Medikamententests, Mikrobiom-Forschung, branchenübergreifende Kooperationen, digitale Health-Produkte und Therapien.

Die kritische Selbsteinschätzung der Diskussionsrunde zeigt aber, dass viele pharmazeutische Unternehmen heute erst am Anfang stehen oder sich im Mittelfeld der digitalen Transformation bewegen. Oft werden innerbetriebliche Prozesse nicht vollständig medienbruchslos unterstützt und eine Digitalisierungsstrategie für das gesamte Unternehmen fehlt. Große Unterschiede gibt es zwischen den Abteilungen – während der Marketingbereich das Thema pusht und für sich umsetzt, ist eine Umstellung im Produktionsbetrieb aufgrund teurer Anlagen schwer. „Und selbst wenn das Thema durch bspw. einen CIO besetzt wird, konzentriert sich dieser mehr auf die laufenden Prozesse statt die digitalen Zukunftschancen anzugehen“, hält eine Geschäftsführerin fest.

Was ist also nötig, um die Entwicklung unternehmerisch zu beschleunigen? Zentrale Voraussetzung ist die Akzeptanz des Top-Managements. Oft seien es nur einzelne Personen im Unternehmen, die das Thema vorantreiben würden – ohne eine Digitalisierungsstrategie von oben fehlten aber die Ressourcen und es gäbe keine klare Marschrichtung, ist sich die Gruppe einig. Um die Potentiale fassbar zu machen und die notwendigen neuen Führungskompetenzen zu entwickeln, bietet die adesso AG hier das Programm „Digital Mastery“ an. Darin ermitteln die Experten des Geschäftsbereichs Health mit dem Kunden dessen „Digitales Leistungsvermögen“ als Zusammenspiel von Kundenerlebnis, operativen Kernprozessen und Geschäftsmodell. Anschließend wird gemeinsam seine „Digitale Führungskompetenz“ aus Digitalisierungsvision, Konzept für die Mitwirkung der Mitarbeiter und Governance-Strukturen entwickelt. Assessment und Umsetzung können so Hand in Hand gehen.

Drei Besonderheiten der Pharma-Branche führen dazu, dass der Handlungsdruck unterschiedlich bewertet wird: die immer noch ‚guten Geschäfte‘, die langen F&E-Zyklen und die hohen regulatorischen Anforderungen. Sie würden für eine gewisse Trägheit gegenüber Innovationen sorgen, so der Expertinnen-Kreis, weshalb – sollte nicht mehr Bewegung in die etablierten Firmen kommen – Startups oder große Technologiekonzerne mit disruptiven Geschäftsmodellen auftauchen würden. „Die Googles dieser Welt drängen auch in unsere Branche.“

Um hier gegenhalten zu können, seien neue Arbeitsformen (fluide Teams vs. feste Strukturen), Experimentierfreudigkeit (Kultur des Scheiterns) und Mitarbeiterbindung trotz flexibler Arbeitsorte nötig, führen die Managerinnen an. „Die besondere Herausforderung ist, dass all diese Aspekte mit den aktuellen Strukturen in Einklang gebracht und der Spagat zwischen ‚muss so bleiben‘ und ‚Neues notwendig‘ geschafft werden muss“, hält eine Geschäftsführerin fest. Die adesso AG sieht da einen spannenden Anknüpfungspunkt zwischen IT- und Pharma-Welt – Agilität. Durch das branchenspezifische Wissen, u.a. im Hinblick auf regulatorische Herausforderungen, kann adesso gemeinsam mit dem Kunden evaluieren, wo sich bei ihm diese Digitalisierungs-treibende Methodik einbringen lässt und wo nicht. Thomas Starke, Leiter des Life-Science-Bereichs bei adesso, erklärt: „Wir berücksichtigen hier das Spannungsfeld beim Kunden zwischen den Bereichen Produktneuentwicklung und dem Life-Cycle-Management der Produkte im Markt. Ersterer benötigt innovationsfreudige Strukturen, letzterer muss den Betrieb sichern und ist meist klassisch.“ Mit dem „Digital Workplace“-Konzept werden Organisationsmodelle und Arbeitsformen geprüft und konzeptioniert.

Die Resultate der Diskussionsrunde sind qualitativer Forschungsauftakt für eine Studie der Healthcare Frauen e.V. in Kooperation mit dem IFAK-Institut. „Diese lebendige und facettenreiche Diskussion war die optimale Exploration zur Entwicklung unseres zukünftigen gemeinsamen DIG-IN-Barometers. Wir wollen mit diesem Online-Befragungstool die Wahrnehmung der Managerinnen zur digitalen Entwicklung im Gesundheitsmarkt systematisch und im jährlichen Abstand beobachten und analysieren. Fokus wird dabei auf den Themen digitale Führungskultur und digitale Arbeitswelt liegen.“ – so Dr. Ulrike Dulinski, Head of Health & Pharma bei IFAK und Moderatorin der Runde. Frau Dr. Huppertz-Helmhold, Vorsitzende der Healthcare Frauen e.V. ist der tiefen Überzeugung, dass „der Erfolg der digitalen Transformation für ein Unternehmen, am Ende einer Frage der Führung sein wird, denn Digitalisierung ist nicht nur ein technisches, sondern vor allem ein sozial/emotionales Thema“.

1 Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln, https://www.iwkoeln.de/fileadmin/publikationen/2017/348073/IW-Pressemitteilung_2017_34_Deutschland_2035_mit_iwd.pdf

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