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Kampagne "100.000 Substituierte bis 2022" gestartet

31.08.2020 12:19
Mit der Kampagne "100.000 Substituierte bis 2022" wollen die Deutsche Aidshilfe, der akzept Bundesverband und das Selbsthilfenetzwerk JES dazu beitragen, die Substitution zu stärken und 2022 mindestens 60 Prozent der Opioidabhängigen zu behandeln.

Kaum die Hälfte der mindestens 160.000 Opioidabhängigen in Deutschland erhalte derzeit eine Substitutionsbehandlung. Die Behandlung trage zur gesundheitlichen Stabilisierung bei, ermögliche Teilhabe am sozialen Leben und verhindere drogenbedingte Todesfälle. In vielen anderen europäischen Ländern ist die Behandlungsquote höher als in Deutschland; in Frankreich, Spanien und Norwegen z. B. liege sie bei etwa 85 Prozent.

Erreicht werden soll das Etappenziel gemeinsam mit Drogenhilfeeinrichtungen, Multiplikator*innen der Selbsthilfe und der Ärzteschaft, aber auch mit Unterstützung der Politik.

Start der Kampagne ist der 31. August, der International Overdose Awareness Day. An diesem Tag stehen weltweit Opioid-Überdosierungen und die damit verbundenen vermeidbaren Todesfälle sowie Gegenmaßnahmen wie die Substitution, Drogenkonsumräume, die Prüfung von Drogen auf Inhaltsstoffe und -mengen und die Gabe des Gegenmittels Naloxon im Zentrum.

Die Chancen, das Kampagnenziel tatsächlich zu erreichen, stehen nach Ansicht der Initiator*innen gut: "Durch die Corona-Pandemie hat sich die Bereitschaft für eine Substitutionstherapie bei Heroinkonsument_innen erhöht. Zugleich haben sich die ärztlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen für die Behandlung verbessert", erläutert Dirk Schäffer, Drogenreferent der Deutschen Aidshilfe. So sei etwa die eigenverantwortliche Einnahme des Substitutionsmittels zu Hause ("Take home") erleichtert worden.

"Wichtig ist auch, dass der sogenannte Beikonsum nicht mehr sanktioniert wird", so Professor Heino Stöver, Vorsitzender des akzept Bundesverbandes. "Da das Hauptziel nicht die völlige Abstinenz von allen Substanzen ist, sondern die Senkung des Heroinkonsums, kann und muss Beigebrauch in die Behandlung einbezogen werden."

Aidshilfe, akzept und JES schlagen vor, durch eine verstärkte wohnortnahe Versorgung, etwa durch Apotheken und Suchthilfeeinrichtungen, sowie durch lang wirksame Depotpräparate das Arbeitsaufkommen der behandelnden Praxen zu reduzieren und die freiwerdenden Ressourcen für neue Patient*innen zu nutzen. "Wichtig ist deshalb, die aufgrund von Corona geltenden Erleichterungen zu verlängern und möglichst zu entfristen", so Mathias Häde vom JES Bundesverband.

Die bis Ende 2021 laufende Kampagne will das Wissen rund um die Substitutionstherapie unter Opioidabhängigen wie auch bei Mitarbeiter*innen in Aids- und Drogenhilfen erhöhen und die Unterstützung von Ärzt*innen, Politik und Akteur*innen aus der Drogenhilfe und der Zivilgesellschaft mobilisieren.

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