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Fraunhofer: Schnellere Dünndarm-Diagnose dank Kamerapille

09.10.2019 16:36
Größerer Bildausschnitt, schärfere Bilder und eine effizientere Bildauswertung – das verspricht eine vom Fraunhofer IZM entwickelte Endoskopie-Kapsel zur detaillierten Untersuchung des Dünndarms.

2001, so informiert das Fraunhofer-Institut, wurde der menschliche Dünndarm zum ersten Mal mit einer Kapselendoskopie untersucht: Der Patient schluckte eine Pille, in der sich eine Mikrokamera verbarg. Bei ihrer Reise durch den Körper schoss die Kamera Tausende von Fotos vom Dünndarm, der mit seinen verschlungenen sechs Metern Länge bis dahin unerreichbar für eine Untersuchung war. Heute sei eine bildgebende Analyse des Dünndarms mit Hilfe der Kapselendoskopie etabliert, und es gebe verschiedene Kapsel-Technologien auf dem Markt.

Alle Kapselendoskopien hätten jedoch den gleichen Nachteil: Die Bilder würden zeitgetriggert ausgelöst, egal ob sich das Kapselendoskop bewege hat oder nicht. Hierdurch entstünden redundante Daten, welche händisch gefiltert werden müssten. Durch Bewegungen ausgelöste Aufzeichnungen könne die Anzahl an redundanten Daten auf ein Minimum um bis zu ein Drittel reduziert werden.

In dem Forschungsprojekt Endotrace wurde eine neue Kapsel-Technologie entwickelt, die keine redundanten Aufnahmen mehr machen soll. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 1,2 Mio. Euro finanzierte Projekt wurde nach Angaben des Institutes im November 2018 erfolgreich abgeschlossen. Die Projektpartner Ovesco Endoscopy AG, AMS und das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM präsentieren eine bonbongroße Tablette, die von außen schlicht aussieht, innen aber mit Hightech ausgestattet ist: Neben insgesamt fünf Kameras, einem Tracer und einem Rechenspeicher sind in der kleinen Pille Batterien und ein LED-Licht integriert.

Anhand der Veränderung der Darmzotten erhalte der Rechenspeicher ein Signal, und die Kapsel nehme nach einer Bewegung von 2-3 Millimetern ein Foto auf. Statt Tausende von Bildern zu erzeugen, reduziere die Endotrace-Kapsel die Anzahl der auswertbaren Daten um die Hälfte, was schlussendlich zu einer schnelleren Diagnose durch den Arzt führe. Künftig könnten Krankheiten wie Magen-Darm-Blutungen deshalb schneller diagnostiziert und behandelt werden. Aber bis es die Endoskopie-Kapsel tatsächlich zu kaufen gebe, werde wohl noch einige Zeit vergehen: Denn obwohl die Pille technisch marktreif sei, stehe ihr noch ein langer Weg bis zur Zulassung bevor.

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