Für den Report „Typgerecht launchen“ hat coliquio 156 Ärzt:innen unterschiedlicher Fachrichtungen im Zeitraum von Mai bis August 2025 im Rahmen einer standardisierten Online-Befragung befragt. Die Teilnehmenden stammten vor allem aus der Allgemeinmedizin, Onkologie, Nephrologie und weiteren Fachgebieten. Ziel war es, die Einstellungen, Informationsgewohnheiten und konkreten Informationswünsche rund um neue Medikamente besser zu verstehen und typisieren zu können. Die Ergebnisse zeigen: Ärzt:innen lassen sich in drei Gruppen klassifizieren, basierend auf ihrer Einstellung zu Innovation und Risikobereitschaft bei neuen Medikamenten.
Typ 1: Open-minded Explorer (47 %)
Diese Gruppe ist aufgeschlossen gegenüber neuen Wirkstoffen. Diese Ärzte wollen früh selbst evaluieren und sich ein eigenes Bild machen – basierend auf Daten und Praxiserfahrung. Sie sind häufig in Kliniken (62 %) oder MVZs (52 %) tätig und es sind vorwiegend Fachärzt:innen (53 %). Sie sind entscheidungsfreudig und wissbegierig und wollen schnell informiert sein – auch vor Markteinführung. Daher brauchen sie frühzeitige Studiensummaries, praxisnahe Anwendungshinweise und Möglichkeiten zum Austausch (z.B. Webinare).
Typ 2: Ambivalent Adopter (30 %)
Diese Gruppe ist interessiert, aber gleichzeitig vorsichtig. Diese Ärzte wägen Nutzen und Risiko ab, beobachten die Kolleg:innen und treffen dann langsam ihre Entscheidung. Sie schwanken zwischen Interesse und Zurückhaltung und warten auf eine fundierte Datenlage, bevor sie Empfehlungen aussprechen. Sie sind besonders häufig unter Allgemeinmediziner:innen (36 %) und in Einzelpraxen zu finden. Sie nutzen gerne etablierte Therapiestandards und vertrauen auf Meinungen aus der ärztlichen Community. Sie benötigen also vergleichende Darstellungen zu etablierten Therapien, Empfehlungen von Fachgesellschaften und Erfahrungsberichte aus der Praxis.
Typ 3: Safety Seeker (22 %)
Diese Ärzt:innen sind besonders sicherheitsorientiert. Neue Medikamente kommen erst dann infrage, wenn Langzeitdaten und Guidelines den Einsatz rechtfertigen. Sie sind dominanter unter APIs (29 %) und sie sind vorsichtig bei Änderungen etablierter Behandlungsroutinen. Sie brauchen daher Langzeitdaten und Real World Evidence, Nebenwirkungs- und Verträglichkeitsinfos sowie eine klare Positionierung in Leitlinien.
coliquio empfiehlt, vorhandene CRM-Daten, Außendienst-Feedback oder Segmentierungen nach Fachbereich und Praxisstruktur, zu nutzen, um Ärzt:innen einem der drei Typen zuzuordnen. Liegen einem Unternehmen zu wenig Daten vor, helfe eine externe Pre-Launch-Analyse. Je besser die Datengrundlage in diesem Schritt sei, desto erfolgreicher verlaufe der Launch, in der jede Woche zähle.
Bei der Wahl der Kanäle und dem passenden Content lautet die coliquio-Empfehlung, digitale und analoge Formate zu kombinieren – und zwar abgestimmt auf den Typ. Zum Explorer passende Kanäle sind zum Beispiel Ärzteplattformen, CME-Webinare und E-Mail-Newsletter, für ihn geeigneter Content sind kompakte Studiensummaries, „First Glance“-Insights und Q&A-Formate.
Den Adopter erreicht man besser über Fachzeitschriften, hybride Fortbildungen und Diskussionsformate, und zwar beispielsweise mit einem Vergleich mit Therapiestandards, Empfehlungen und Erfahrungsberichten.
Zur Kommunikation mit den Seekers kommen beispielsweise der Außendienst, Leitlinien-Updates und CME mit Real-World-Fokus in Betracht. Inhaltlich sollte man bei diesem Typus auf Langzeitdaten, Nebenwirkungen und eine klare Positionierung in Guidelines setzen, so die coliquio-Empfehlung.
