Wie man sich den Gaming-Bereich zunutze machen kann, um insbesondere junge Männer über Erkrankungen aufzuklären, hat das Team von MW Office am Beispiel von Akne inversa, einer chronisch-entzündlichen Hauterkrankung, die durch schmerzhafte Knoten, Abszesse und Fisteln gekennzeichnet ist, durchgespielt. In der Regel treten die ersten entzündlichen Hautveränderungen nach der Pubertät auf. Männer sind zwar nicht seltener betroffen, werden aber – wie bei anderen Erkrankungen auch – seltener diagnostiziert als Frauen.
„Das liegt daran, dass bei jungen Frauen der Arztkontakt ein ganz anderer ist“, weiß Corinna Guhl, Director Communication Consulting bei MW Office. „Frauen gehen schon in jungen Jahren zur Gynäkologin und haben dadurch einen sehr regelmäßigen Arztkontakt.“ Dadurch sei bei ihnen auch die Hemmschwelle, eine Arztpraxis aufzusuchen, insgesamt niedriger als bei Männern. „Hinzu kommt: Wenn junge Männer dann doch zum Arzt gehen und dignostiziert werden, sind sie anschließend bei der Therapie weniger adhärent als Frauen“, so Guhl. Bei einer Erkrankung wie Akne inversa sei es aber extrem wichtig „dranzubleiben“, um eine Besserung der Symptome zu erreichen.
Die Herausforderung besteht also vor allem darin, junge Männer für die Symptome zu sensibilisieren und sie zum Arztbesuch zu bewegen. Das gilt für Erkrankungen wie Akne inversa, aber beispielsweise wäre auch die HPV-Impfung ein Thema, bei dem es viel Aufklärungsbedarf in dieser Zielgruppe gibt. „Natürlich ist es wichtig, sie auch mit entsprechender Werbung zu bespielen und solche Themen mithilfe von Influencern zu kommunizieren, aber Gaming ist der wichtigste Kanal bei jungen Männern“, so Guhl. Außerdem sei die Einbindung solcher Themen hier sehr viel nativer – und man setze sich mit einer Erkrankung ganz anders auseinander, wenn man sie in einem Spiel erlebe.
Die Möglichkeiten, Gesundheitsthemen im Gaming-Bereich zu intergrieren, sind vielfältig. In einer Fußballsimulation wie „FIFA“ kann beispielsweise in den Stadien Bandenwerbung erscheinen, die auf ein bestimmtes Thema aufmerksam macht und je nach Spiel auch anklickbar sein kann, um auf weiterführende Informationen zu verlinken. Vor allem geht es aber zunächst einmal darum, ein Thema im Unterbewusstsein des Spielers zu verankern.
Richtig „erleben“ kann man eine Erkrankung aber im Fall der sogenannten Ingame Integration – je nach Spiel gibt es dafür ganz unterschiedliche Möglichkeiten. Sissi Bildhoff, Communication Consultant bei MWO, nennt als Beispiel das Spiel „World of Warcraft“. „Hier könnte man eine Erkrankung wie Akne inversa als zusätzliche ‚Quest‘, welche die Stärke des eigenen Spielcharakters limitiert, integrieren. Und nur dann, wenn man im Spiel einen Heiler aufgesucht hat, kann man wieder sein volles Potenzial entfalten“, erkärt Bildhoff.
Die Möglichkeiten im Gaming-Universum sind extrem vielfältig, aber eine Umsetzung – insbesondere bei der Ingame Integration – ist aufwendig und erfordert eine lange Vorbereitungszeit. Aber dafür gewinnt man etwas, das auf anderen Wegen häufig schwierig zu erreichen ist: die Aufmerksamkeit junger Männer.
