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PwC-Studie: Das Vertrauen in das deutsche Gesundheitssystem nimmt ab

20.02.2019 11:13
55 Prozent der Bürger zählen das deutsche Gesundheitssytem zu den drei besten Systemen der Welt – vor zwei Jahren lag dieser Wert noch bei 64 Prozent, vor einem Jahr immerhin noch bei 59 Prozent. Das sind zentrale Ergebnisse des "Healthcare-Barometers 2019", einer repräsentativen Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter 1.000 Bundesbürgern.

"Deutschland hat noch immer eine medizinische Versorgung auf sehr hohem Niveau", sagt Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC. "Doch im internationalen Vergleich liegen wir in puncto technologische Entwicklung weit zurück. In anderen Ländern ist die elektronische Patientenakte, die zeitlich flexible Wertemessung per App oder die ortsunabhängige Behandlung per Video-Chat längst Wirklichkeit, in Deutschland kommen digitale Technologien erst langsam beim Patienten an. Ich führe die sinkende Zufriedenheit auch darauf zurück, dass wir beim Zukunftsthema E-Health kaum vorankommen."

Das Vertrauen in die Pharmaindustrie steigt

Medikamente sind zentraler Bestandteil einer guten medizinischen Versorgung, aber den Herstellern standen viele Versicherte in den vergangenen Jahren skeptisch gegenüber, wie Untersuchungsergebnisse aus den letzten Jahren dokumentieren. Zwar betrachten noch immer 69 Prozent sie eher als Unternehmen, die auf Gewinnmaximierung ausgerichtet sind, denn als innovative Unternehmen, die mit ihren Produkten Menschen heilen (20 Prozent). Doch der Branche, so geht aus den Zahlen hervor, ist es kontinuierlich gelungen, ihr Image zu verbessern und Vertrauen aufzubauen: 2014 äußerten noch 76 Prozent den Vorwurf der Gewinnorientierung, lediglich 15 Prozent sahen die Unternehmen als Innovatoren. "Damit honorieren die Studienteilnehmer die enormen Fortschritte beispielsweise in der Krebstherapie, die Ergebnis intensiver Forschungstätigkeit sind", kommentiert Michael Burkhart.

Auch für die kommenden Jahre sind die Erwartungen laut der Umfrageergebnisse in die Pharmaindustrie hoch: Sie soll neue Medikamente entwickeln, die neue Heilungschancen bieten, wie 65 Prozent fordern. Die Entwicklung von Generika, ist den Versicherten dagegen weniger wichtig (29 Prozent). "Technologien wie Big Data und Künstliche Intelligenz können die Pharmaforschung in den kommenden Jahren enorm vorantreiben. Insofern ist die Hoffnung der Bürger berechtigt", prognostiziert Michael Burkhart.

Zwei Drittel der Bürger bestellen ihre Medikamente im Netz

Geht es beim Kauf von Arzneimitteln allerdings um den eigenen Geldbeutel, achten viele Menschen sehr wohl auf den Preis: Zwei Drittel der Deutschen bestellen mittlerweile ihre Medikamente im Internet, weitere 10 Prozent können sich vorstellen, künftig bei einer Online-Apotheke zu ordern. Entscheidendes Kriterium für die Auswahl einer Online-Apotheke ist der Preis, wie 76 Prozent bestätigen. Allerdings hat mehr als jeder Zweite bei Bestellungen aus dem EU-Ausland auch Angst vor gefälschten Medikamenten. "Im Wachstumsmarkt Medikamentenversandhandel zeigt sich, dass digitale Technologien im Alltag der Versicherten längst angekommen sind. Sie müssen auch in den weiteren Bereichen der Medizin Einzug halten", bilanziert Michael Burkhart.

Kritik an Medizinern: Niedergelassene Ärzte nehmen sich zu wenig Zeit

Klare Unzufriedenheit äußern die Versicherten mit der Behandlung bei niedergelassenen Ärzten: Vier von zehn Deutschen bemängeln, dass ihr Arzt sich zu wenig Zeit für sie nimmt. Ein weiterer Grund für Unzufriedenheit sind den Ergebnissen zufolge die Öffnungszeiten der Praxen, die den eigenen Bedürfnissen nicht entsprechen.  Aber auch das Gefühl, sich vom Arzt und seinen Angestellten nicht ernst genommen zu fühlen, äußern 22 Prozent der Befragten. Rundum zufrieden mit der ärztlichen Behandlung sind lediglich 33 Prozent der Bürger.

"Die Erwartungen an Zuwendung und Service sind deutlich gestiegen. Dem steht die Zeitknappheit entgegen, die sich zu einem zentralen Problem in unserem Gesundheitssystem entwickelt hat", kommentiert Michael Burkhart. "Sie wirkt sich inzwischen negativ auf das Verhältnis zwischen Arzt und Patient aus. Umso wichtiger ist es, dass Ärzte wieder mehr Wert auf den Faktor Mensch legen, und sich gleichzeitig Entlastung bei Routineabläufen suchen, etwa durch digitale Technologien."

Die Zufriedenheit mit der eigenen Krankenkasse steigt wieder

Die Mehrheit der Deutschen zeigt sich mit den Leistungen der Krankenkassen einverstanden; der Zustimmungswert ist im Vorjahresvergleich um zwei Prozentpunkte auf 86 Prozent gestiegen. Acht von zehn Deutschen sind demnach überzeugt davon, dass sie alle Leistungen für eine gute medizinische Versorgung bekommen – auch dieser Wert ist gegenüber den Vorjahren leicht gestiegen (2017: 78 Prozent, 2018: 81 Prozent). "Vermutlich spiegelt sich in diesem Ergebnis die gute wirtschaftliche Lage der gesetzlichen Krankenkassen, die es ihnen erlaubt, auch Zusatzleistungen zu bewilligen", so Burkhart.

Die Studie finden Sie hier zum kostenlosen Download unter: www.pwc.de/hcbarometer2019

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